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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Sie suchten eine Zukunft in einer Welt ohne Krieg

Es war am frühen Morgen des 3. Oktober 2013 vor der italienischen Küste. 545 Menschen aus Eritrea, Somalia, Äthiopien und Syrien flohen vor Krieg und Armut, voller Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Als sie ihr Ziel, die Freiheit und den Frieden Europas, ganz nah vor Augen haben, kentert der völlig überladene Kutter. 366 Kinder, Männer und Frauen ertrinken, so viele wie nie zuvor. Lampedusa wird zur Insel des Schreckens mit einem Meer voller Toten. Im Bensheimer Franziskushaus kann man eine Stecknadel fallen hören, als Susanne Hagen, Barbara Hammon, Martin Fraune, Norbert Sutor und Daniel Ulbricht in einer szenischen Lesung Zitate von Überlebenden und weiteren Zeugen wie Fischer, Touristen, Retter, Inselbewohner sowie Behörden vorlesen. Aus vielen Perspektiven erfährt der Zuhörer Informationen über den Unglückstag, die Rolle Italiens und Europas. Zusammen mit den komponierten Liedern von Francesco Impostato und den dazu eingespielten Bildern geht das Flüchtlingsdrama dem Zuschauer unter die Haut. Entstanden ist diese Lesung durch die Arbeitsgruppe "Unser Herz schlägt auf Lampedusa". Es sind italienische und deutsche Bürger aus Hannover, die damit jenseits von tagesaktueller Berichterstattung auf die dramatischen Umstände der heutigen Migrationswelle aus Afrika aufmerksam machen möchten. Es ist ihnen mit der Lesung gelungen, die Menschen aus der Anonymität heraustreten zu lassen. Im Anschluss an die Lesung fand eine offene Gesprächsrunde mit Gergishu Yohannes statt. Die Preisträgerin des Menschenrechtspreises PRO ASYL 2012 zeigt mit Mut und unermüdlichem Einsatz für Gerechtigkeit, dass die vielen toten Flüchtlinge an den Außengrenzen Europas keine Namenlosen sind. Sie arbeitet mit Überlebenden, Eltern und Verwandten von Verstorbenen. Sie hat selbst den eigenen Bruder vor fünf Jahren durch ein überfülltes Boot verloren und kennt die Gefühle der Betroffenen hautnah. Sorge bereitet ihr das Ende der Aktion „Mare Nostrum“, durch welches die italienische Marine nun ein Jahr in Not geratene Flüchtlinge rettete. Die EU-Grenzschutzorganisation Frontex soll deren Aufgaben übernehmen, doch Yohannes sieht deren Aufgabe nur in der Überwachung der Grenzen. Als Folge seien in den letzten drei Wochen bereits fünf Schiffe an der Küste Lybiens gekentert. Papst Franziskus beklagte nach dem Drama in Lampedusa die globale Gleichgültigkeit. Aber nicht nur die Menschen müssen ihr Verhalten ändern, auch die Politik braucht neue Strukturen und Gesetze. „Wir trauern mit den Toten und wir sollten auch Solidarität mit den Überlebenden haben“, bringt es die Dienststellenleiterin des Migrationsdienstes Hannelore Lehnard auf den Punkt. 39 der Lampedusa Flüchtlinge vom 3. 0ktober 2013 sind nach Deutschland gekommen. Viele sind traumatisiert, bekommen aber keine psychologische Betreuung. Die meiste Hilfe erfahren sie durch Ehrenamtliche, die ihnen Zeit und Unterstützung widmen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass im Kreis Bergstraße ein guter Weg in der Flüchtlingshilfe beschritten wird. In vielen Gemeinden engagieren sich Ehrenamtliche zum Beispiel durch ehrenamtlichen Deutschunterricht. „Wer sich kennt, ist sich nicht fremd – die Aktivitäten und Erfahrungen der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe sind wertvolle Bausteine für das friedliche Zusammenleben miteinander“, so Lehnard, die sich freut, dass am Abend der Lesung Spenden in Höhe von 205,00 Euro für den Arbeitskreis Asyl Christuskirche Heppenheim gesammelt wurden.

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