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Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Arme Familien haben besondere Schwierigkeiten während der Corona-Krise

Von den gut 8,3 Millionen Schülerinnen und Schülern in Deutschland sind etwa 2,4 Millionen von Armut und sozialer Abgrenzung bedroht, so der Verband Bildung und Erziehung. „Überdurchschnittlich viele Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit leben in Armut“, sagt Maria-Antonia Estol. Sie arbeitet seit über 30 Jahren beim Caritasverband Darmstadt, überwiegend im Migrationsbereich. Als Leiterin des Darmstädter Migrationsdienst und des Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete hat sie bislang viele Herausforderungen mit ihren Teams gemeistert. „Die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona Pandemie" sagt sie "verstärken die Probleme der Menschen drastisch.“

„In Deutschland bestimmt bekanntermaßen die soziale Herkunft über den Schulerfolg. Der Lockdown in den Schulen führt zu einem weiteren Auseinanderdriften von Bildungschancen“, führt sie aus. „Es zeigt sich, dass arme Kinder beim Lernen im Homeschooling abgehängt werden. Ihnen steht nicht die nötige Infrastruktur zur Verfügung. Sie haben weder Computer, Laptop, Tablet, Scanner, Drucker, Internetzugang, WLAN. Das sind alles Lernmittel und in Hessen gilt eigentlich die Lernmittelfreiheit.“ Geschlossene Schulen und Kitas verstärkten auch die finanziellen Probleme armer Familien. „Das kostenlose Mittagessen entfällt und auch andere entlastende Elemente des Hilfepakets zur Bildung und Teilhabe, die Vereine anbieten, sind nicht zugänglich.“

Für Kinder aus Migrantenfamilien wirke sich die Zwangspause fatal aus. „Die meisten der Ratsuchenden leben in sehr beengten Verhältnissen, in sehr kleinen Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften. Die Kinder haben keine eigenen Zimmer. Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht beim eigenständigen Lernen zu Hause unterstützen können. Gründe dafür können sein, dass sie nicht ausreichend Deutsch sprechen oder sie verfügen nicht über die nötigen Qualifikationen als Ersatzlehrkräfte. So wird das Lernen stark beeinträchtigt.“ Ein weiteres Problem sei, dass viele Ehrenamtliche, unter den Bedingungen des Social Distancing und fehlender technischer Mittel die Unterstützung einstellen mussten. In den Beratungsgesprächen hätten Eltern seit März verstärkt nach Lernhilfen gefragt.

„Die beengte Wohnsituation im Lockdown überfordert die Eltern und führt zu stressigen familiären Belastungssituationen“, stellt die Caritasmitarbeiterin fest. Maria-Antonia Estol fordert „Der Zugang zum Internet ist mittlerweile essentiell für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Politik sollte es sich zur Pflichtaufgabe machen, den freien Zugang als Beitrag zur Daseinsvorsorge zu sichern. Weiterhin muss ein besserer und kostenloser Zugang zu Lehrmitteln und Lerninhalten ermöglicht werden. Konkrete Ansprechpersonen müssen benannt werden, die das Homeschooling begleiten.“

Es müsse noch einiges passieren, auch in der Digitalstadt Darmstadt. Von ausreichendem, bezahlbarem Wohnraum bis hin zu einer angemessenen Öffnungsstrategie der Beratungsdienste, Institutionen, Ämter für Menschen, die telefonisch und digital nicht kommunizieren können. „Das kommt auch den Kindern zugute“, so die Caritasmitarbeiterin.

Zahlen/Daten/Fakten:

Der Darmstädter Migrationsdienst des Caritasverbandes Darmstadt hat in der ersten Jahreshälfte 2020 263 Menschen beraten. Im Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete Südhessen, welches zusammen mit dem DRK Kreisverband Darmstadt-Stadt e.V. betrieben wird, waren es 461.

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