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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Lotsennetzwerk Rhein-Main

Ein Lotse ist in der Seefahrt ein erfahrener Nautiker, der bestimmte Gewässer so gut kennt, dass er die Führer von Schiffen sicher durch Untiefen an Schifffahrtshindernissen und dem übrigen Schiffsverkehr geleiten kann. "Beim Lotsenprojekt Rhein-Main sind Lotsen Sucht  erfahrene Menschen, die andere Suchtkranke oder deren Angehörige auf dem Weg aus der Sucht für eine bestimmte Zeit begleiten und unterstützen und ihnen dabei helfen, die Probleme anzupacken", erklärt die Koordinatorin Anna Magdalena Sims vom Suchthilfezentrum des Caritasverbandes Darmstadt. "Die Lotsen sind Mitglieder von Selbsthilfegruppen. Sie  sind freiwillig und ehrenamtlich im Lotsennetzwerk tätig und wurden durch eine Schulung auf diese Tätigkeit vorbereitet."

Die ersten geschulten Lotsen stehen nun sozusagen in den Startlöchern, um  suchtkranken Menschen zur Seite zu stehen. "Suchtkranke sind oftmals in einem Teufelskreis gefangen und haben die Orientierung verloren, so dass sie keinen Ausweg mehr finden. Ratschläge von Menschen, die diesen Teufelskreis nicht kennen, werden in den meisten Fällen nicht angenommen. Anders, wenn man jemanden zur Seite hat, der gleiches erlebt hat und weiß, welche Route nach draußen führen kann. Sei es eine weitere Behandlung oder eine Hilfemaßnahme der beruflichen Suchthilfe oder der Suchtselbsthilfe. Die Erfahrungen aus dem eigenen Leben, das Wissen um die Krankheit, um die Gefahren aber auch das Wissen, dass vieles möglich ist, auch ein Leben ohne Suchtmittel, ist die Besonderheit von diesem Projekt", so die Koordinatorin, die zur Zeit auf der Suche nach Kliniken ist, die zur Umsetzung der Idee benötigt werden.

In Brandenburg, wo die Idee des Lotsennetzwerkes geboren wurde, zeigt das Projekt gute Erfolge. Auch beim Lotsennetzwerk Thüringen arbeiten die Lotsen bereits mit beruflichen Fachkräften von  Kliniken und Suchtberatungsstellen zusammen. Dank der Förderung durch die Aktion Mensch soll das Projekt nun auch im Rhein-Main Gebiet umgesetzt werden. Das Team aus  Thüringen hat den Caritasverband Darmstadt bei der Gründungsphase tatkräftig unterstützt und seine bisher gesammelten Erfahrungen weitergegeben.

"In den Kliniken entsteht der erste Kontakt zu den Betroffenen", erläutert die Koordinatorin die Notwendigkeit, diese mit ins Boot zu nehmen. "Die Schnittstelle zwischen Krankenhäusern und Suchthilfesystem zu schließen ist das Anliegen des Lotsennetzwerkes. Denn oftmals werden Patienten in Allgemeinkrankenhäusern mit einer Zweitdiagnose aufgrund fehlender Ressourcen im Krankenhaus nicht auf die Problematik angesprochen und ins Hilfesystem vermittelt. Dadurch werden viele Chancen zur Beratung und Behandlung dieser Klientel vertan." Bei Teilnahme an dem Projekt können die Kliniken bei Einverständniserklärung der Betroffenen den Kontakt zur   Koordinationsstelle herstellen. Dort wird individuell geprüft, welcher Lotse als Wegbegleiter für persönliche Gespräche und Unterstützung in Frage kommt.   

Ziel ist, dass mit Hilfe der Lotsen ein Teil der Abhängigkeitserkrankten nicht wieder in ihr altes Suchtverhalten zurückfällt und einer erneuten und kostenintensiven stationären Akutbehandlung bedarf. Der Caritasverband Darmstadt hofft, so auch die suchtkranken Menschen und Angehörige zu erreichen, die das Hilfesystem noch nicht nutzen wollen oder können. "Mit diesem Netzwerk schließen wir eine Lücke in der Versorgung suchtkranker Menschen und deren Angehörigen und haben die Chance schon frühzeitig Wege aus der Sucht aufzuzeigen", so Caritasdirektor Ansgar Funcke. Dadurch können Folgekrankheiten und Arbeitsausfälle, die für die Betroffenen und deren Angehörigen viel Leid und für die Gesellschaft hohe Kosten verursachen, vermieden werden.

Immer im Blick hat die Koordinatorin dabei die Lotsen und Lotsinnen, regelmäßige  Schulungen und Praxisbegleitungen werden angeboten, damit diese an ihrer Aufgabe wachsen und nicht zerbrechen. Denn der Lotse ist ein Weg-Begleiter, der jedoch nicht für die Klienten verantwortlich ist.

Ein neue Lotsenschulung ist im neuen Jahr geplant, wer daran teilnehmen möchte kann sich gerne im Suchthilfezentrum Darmstadt bei Anna Magdalena Sims unter der Telefonnummer 06151 666770 darüber informieren.

 

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