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Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Digitale Teilhabe für alle Menschen

"Die pauschale Aussage, fast 90 Prozent der Bevölkerung nutze das Internet, verstellt die Sicht auf die erheblichen Ungleichheiten im Onlineverhalten", sagte Prof. Hans-Joachim Gehrmann. Auf Einladung des Caritasverbandes Darmstadt schaute der Diplomvolkswirt in seinem Impulsreferat "Wenn es bei der Digitalisierung viele Gewinner gibt, wer verliert dann?" auf die zehn Millionen Menschen in Deutschland, die von der Digitalisierung ausgeschlossen sind. Manche seien freiwillig offline. Doch viele fühlten sich abgehängt und außen vor, drohten ins digitale Abseits zu geraten. Weiterhin ging er in seinem Impulsvortrag auf Aspekte der regionalen Ungleichheiten in Verbindung mit der digitalen Infrastruktur ein und zeigte mit Beispielen die noch verhältnismäßig geringe Präsens sozialer Dienste, der Wohlfahrtspflege und der Sozialen Arbeit in der digitalen Gesellschaft. "Auch die Anbieter sind Verlierer, nicht nur bestimmte Nutzergruppen!", so Prof. Gehrmann. "Trotz vielfältiger Ansätze und Bemühungen der sozialen Dienste und ihrer Träger besteht die Gefahr, dass dieser Sozialleistungsbereich immer stärker den Anschluss an die digitalen Entwicklungen in unserer Gesellschaft verliert." Auch in der Digitalstadt Darmstadt scheine es, dass das Soziale digital abgehängt sei, so der Professor.

"Dass der Begriff "Soziales" nicht im Cluster vorkommt, hat mich erschreckt", reagierte Oberbürgermeister Jochen Partsch in der anschließenden Podiumsdiskussion auf die Präsentation. Er sagte noch am Abend die Einbeziehung in das Projekt "Digitalstadt Darmstadt" zu und griff die Idee auf, einen Sozialwegweiser aufzubauen, um möglichst vielen aus dem sozialen Bereich die Chancen zur digitalen Teilnahme zu bieten.

"Für die Menschen da sein, in der analogen und digitalen Welt, Solidarität, Anwaltschaft und Dienstleistung auch in der digitalen Welt umzusetzen, das ist Anspruch der Caritas", so Caritasdirektor Ansgar Funcke. "Damit dies gelingt, muss die Digitalisierung der Sozialwirtschaft stärker von Bund, Land und Kommune unterstützt und gefördert werden. Noch immer liegt das politische Augenmerk fast ausschließlich auf der Digitalisierung der Wirtschaft und der Wissenschaft."

Die Vorteile der Caritas Online Beratung stellte Andrea Bartsch vom Deutschen Caritasverband in der Runde vor. Die anonyme Beratungsmöglichkeit biete auch eine Chance für die Menschen, die Beratung bisher nicht genutzt haben. Auch ihr Appell lautete:"Digitale Teilhabe sollte für alle Menschen möglich sein - egal an welchem Ort sie leben und wie voll oder leer ihr Geldbeutel ist."

Auf diese Probleme hatte im Vorfeld der Diskussion der Leiter der Gemeinwesenarbeit Horst Miltenberger in einem Stehtischgespräch mit Moderatorin Sarah Stein, SWR, hingewiesen. Die Bewerbung per Mail zu versenden, sei für Menschen, die nicht gelernt hätten mit der Technik umzugehen oder die kein Geld für die technische Ausstattung haben, eine riesige Herausforderung.  "Es braucht Menschen, die helfen, mit der Technik umzugehen, Assistenzen, die helfen Ängste abzubauen aber auch analoge Treffpunkte", so Horst Miltenberger. Auch Maria-Antonia Estol, die Leiterin des Darmstädter Migrationsdienstes erlebt in ihrer Arbeit, dass Menschen digital abgehängt werden. Wenn Wohnungssuche, Bankgeschäft, oder Terminvergabe in Ämtern nur online erledigt werden können, ist dies für diese Menschen eine Überforderung. Hier muss die Politik hinsehen ausgeschlossenen Menschen mit entsprechender Unterstützung Teilhabe ermöglichen.

Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister soll nun in einem weiteren Schritt geschaut werden, wie eine Präsenz sozialer Angebote in der digitalen Öffentlichkeit der Region hergestellt bzw. verbessert werden kann, um möglichst vielen aus dem sozialen Bereich die Chancen zur digitalen Teilnahme zu bieten.

Begeistert hatte an dem Abend Sammy, der mit seinem eigenen Text mit seinem Poetry Slam seine Sicht zum Thema zum Ausdruck gebracht hatte. Alles in allem hat der Abend den Slogan der Caritas Jahreskampagne 2019 bestätigt:  "Sozial braucht digital und digital braucht sozial."

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