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Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Begleitung Abhängiger auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben

Wir Menschen haben fast alle private und berufliche Ziele. Quälen einen Menschen jedoch Suchtprobleme, so rückt die Erfüllung der Ziele oft in weite Ferne. Häufig wird das Suchtverhalten vorrangig, unabhängig vom Rest des Lebens des Patienten betrachtet.  Die Annahme, dass zuerst die Suchtproblematik und danach alles andere gelöst werden muss ist weit verbreitet. Anders macht dies der in der Fachwelt bekannte "Community Reinforcement Approach" (kurz CRA)-Ansatz. Durch ihn lernen Menschen mit Suchtproblemen mit Hilfe positiver Verstärkung im sozialen Bereich, dass ein Leben ohne Suchtmittel ein besseres Leben ist.

Vorbildlich umgesetzt wird dies seit Jahren - initiiert durch den Caritasverband Darmstadt - in den Regionen Darmstadt, Dieburg und Bergstrasse . Mehr als einhundert der in der Suchthilfe beschäftigten Caritasmitarbeiter wurden in den vergangenen Jahren nach diesem Konzept fort- und weitergebildet. So hat z.B. der Dienststellenleiter der Suchtberatung Heppenheim Jochen Bickel mit seinem Team eine sehr gute Vernetzung aufgebaut und erlebt mit Klienten seit Jahren positive Erfolge bei der Anwendung dieses Ansatzes.

Grund genug, für den Verein für gemeindeorientierte Psychotherapie e.V. ihren vierten bundesweiten Kongress  in der Region zu veranstalten. Mehr als 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung ins Bensheimer Bacchus Hotel.  

Entwickelt wurde der Ansatz in den 90er Jahren - zunächst zur Behandlung von Alkoholabhängigen - von Robert J. Meyers und seiner Frau Jane Ellen Smith. In Bielefeld wurde eine Arbeitsgruppe im CRA Ansatz, der an deutsche Verhältnisse angepasst wurde, geschult und zertifiziert. Der Bielefelder Psychiater und Psychotherapeut Dr. Martin Reker aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel ist offizieller CRA-Ansprechpartner für den gesamten deutschsprachigen Raum.

Der Ansatz räumt mit der Vorstellung auf, dass nur ein ausreichender Leidensdruck eine Veränderung bei Suchtkranken bewirken kann. "Es geht darum, den Blick nach vorne, den Blick auf das Positive und den Glauben an die Möglichkeit von Veränderung in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen", fasst Reker den Kern der Behandlungsphilosophie zusammen. Der Patient setzt sich lohnende Ziele, die es wert sind, sein Verhalten zu ändern, zum Beispiel eine Partnerin, eine eigene Wohnung oder einen Job. Der Therapeut unterstützt ihn dabei sein Ziel zu erreichen und zu erkennen, dass das abstinente Leben attraktiver ist als wieder zu trinken.

Eine lange Reihe wissenschaftlicher Studien sieht bei den nach dem therapeutischen Konzept behandelten Patienten große Erfolge.

Man müsse Menschen zeigen, dass ein Leben ohne Alkohol ein besseres Leben ist. Deshalb brauche ein Betroffener Ziele, auf die er hinarbeiten kann. Die Vorstellung von einer gemeinsamen Zukunft  sei dabei beispielsweise ein wünschenswertes Ziel.

Funktionieren kann diese sozial- und gemeindeorientierte Psychotherapie nur in einem weit verzweigten Netzwerk in der Region. Der CRA-Ansatz fördert die Kommunikation und Vernetzung bspw. von Job-Centern, niedergelassenen Ärzten, Gesundheitsämtern, Einrichtungen der Jugendhilfe, der Wohnungslosenhilfe und der Arbeitsagenturen.

Der Kongress in Bensheim hat zur Vernetzung auch wieder einen großen Beitrag geleistet.

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