Schätzungsweise etwa 400 Männer und Frauen aus dem Großraum Südhessen haben ehrenamtliche Mitarbeitende des Lotsennetzwerkes Rhein-Main in den vergangenen zehn Jahren Wege aus der Abhängigkeit vor allem von Alkohol, Drogen und Medikamenten gezeigt und sie begleitet. "Herzlichen Dank für ihr fantastisches Engagement", sagte Caritasdirektor Winfried Hoffmann an die Lots*innen, die zu einem Danke-Essen in den Karolinger Hof gekommen sind. Das Lotsennetzwerk Rhein-Main wurde 2015 etabliert. Es bietet Unterstützung vor allen in Darmstadt sowie den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Bergstraße.
Die Lots*innen sind ausschließlich abstinente Betroffene und Angehörige. Sie begleiten Betroffene, die noch konsumieren oder gerade zu Beginn der Veränderungsphase etwa in einer regionalen Klinik zur Entgiftung sind, eins zu eins. Sie arbeiten kostenlos und vertraulich, unterstützen in Gesprächen vor allem mit eigenen Erfahrungen.
Ergänzung zu Beratung und Therapie
"Ohne ihr großartiges Engagement wäre die Suchthilfe in Südhessen deutlich ärmer", betonte der Caritasdirektor. "Als Ergänzung zu Beratung, Therapie und Selbsthilfegruppen leisten sie einen äußerst wertvollen Dienst."
Getragen wird das Projekt vom Caritasverband Darmstadt und den vielen Selbsthilfeorganisationen, wie dem Kreuzbund der Diözese Mainz, der ASS, Blaukreuz und den AA`s. Finanziert wird es von der Deutschen Rentenversicherung Hessen.
Auch Andrea Wiechert, Leiterin des Suchthilfezentrums Darmstadt, bedankte sich ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen. "Sie bringen ihre Erfahrungen ein. Das hat ergänzend zur fachlich gestützten Beratung und Therapie einen unschätzbaren Wert und ist häufig ein entscheidender Baustein auf dem Weg in eine zufriedene Abstinenz mit einem neuen Lebensentwurf."
Kristina Müller neu in der Projektleitung
Projektleiterin ist seit 2021 Nora Courtpozanis. Sie teilt sich diese Aufgabe seit dem 1. Januar 2026 mit Kristina Müller. Beide sind Therapeutinnen im Suchthilfezentrum Darmstadt.
Üblicherweise tauschen sich Lots*innen und Begleitete bei persönlichen Treffen, Telefonaten oder Textnachrichten aus, wie Herausforderungen gelöst werden können. "Persönliche Erfahrungen der Betroffenen und Angehörigen spielen dabei eine herausragende Rolle", betont Nora Courtpozanis. "Unser Angebot ist niedrigschwellig und ideal auch für alle, für die es schwierig ist, sich mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen."
Enge Kooperation mit Kliniken und Selbsthilfe
Das Lotsennetzwerk Rhein-Main arbeitet mit den Kliniken in der Region eng zusammen, unter anderem dem Vitos-Hospital in Riedstadt und dem Zentrum für seelische Gesundheit in Groß-Umstadt. Zudem besteht enger Kontakt zu Selbsthilfegruppen wie Kreuzbund, ASS Alkohol- und Suchtselbsthilfe, dem Blauen Kreuz oder den Anonymen Alkoholikern (AA).
Im vergangenen Jahr wurden gut 60 Personen begleitet. "Frauen haben einen Anteil von etwa 40 Prozent. Viele Betroffene leiden unter Grunderkrankungen wie Depression oder Angststörungen", berichtet Nora Courtpozanis.
Viele Begleitete hatten Probleme mit Alkohol und aber auch mit weiteren Substanzen wie Cannabis oder Kokain. Betreut wurden auch Personen mit Abhängigkeit von Beruhigungs- und Schmerzmitteln, Amphetaminen, Heroin oder anderen illegalen Drogen sowie Angehörige von suchtkranken Menschen. "Zudem gibt es Anfragen zu Themen wie Spielen oder erstmals zur Medienabhängigkeit", erklärt Nora Courtpozanis.
Kontakt:
Lotsennetzwerk Rhein-Main, Suchthilfezentrum Darmstadt
Wilhelm-Glässing-Straße 15-17, 64283 Darmstadt
Telefon: 06151 500 2840
E-Mail: lotsennetzwerk@caritas-darmstadt.de
www.caritas-darmstadt.de/lotsennetzwerk