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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Der Übergang vom unbedenklichen Trinken zur Suchterkrankung

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn die Grenzen sind fließend. Gerade beim Konsum von Alkohol ist dies ein schmaler Grat vom unschädlichen Alkoholkonsum zum Missbrauch bis hin zur Abhängigkeit“, so Ingrid Meidinger, die seit 1988 die Suchtberatung im Odenwald anbietet. „Meist entwickelt sich eine Suchterkrankung schleichend und über Jahre hinweg. Alkoholkonsum und riskantes Trinken sind in unserer Kultur sehr verbreitet und werden häufig verharmlost. Alkohol ist ein Nervengift und schädigt die menschlichen Zellen. Sogenannter schädlicher Konsum ist ein über das Genusstrinken hinausgehender regelmäßiger und hoher Konsum. Der Übergang von Missbrauch in eine Abhängigkeit ist ein schleichender Prozess, der von den Betroffenen selbst meist nicht wahrgenommen wird. Angehörige bemerken oft früher, dass sich eine Problemsituation entwickelt“, erläutert die Suchttherapeutin des Caritasverbandes.

Unter Missbrauch verstehe man auch vorsätzliches Rauschtrinken, um sich beispielsweise in Problemsituationen zu entlasten. Insbesondere in Stress-Situationen, aber auch zur Belohnung könne es dazu kommen, dass Menschen „zur Flasche greifen“. Diese Art der vermeintlichen Problemlösung sei ein hohes Risikopotenzial. „Das Gehirn gewöhnt sich an die Belohnungseffekte und es wird mehr Alkohol konsumiert, um positive Gefühle entstehen zu lassen. Der Körper benötigt den Alkohol, um wieder ein Gleichgewicht der Ausschüttungen im Gehirn zu erlangen, andernfalls kommt es zu Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, Krampfanfälle bis hin zum Delirium tremens“, so Ingrid Meidinger, die im Caritas Zentrum in Erbach Betroffenen und Angehörigen entsprechende Hilfe anbietet.

Anzeichen, die auf eine Sucht hindeuten, beschreibt die Fachfrau wie folgt:
Starker Drang, das Suchtmittel zu konsumieren, Verlust über die Kontrolle des Alkoholkonsums, Entzugssymptome sowie Konsum, um diese Symptome zu lindern oder zu vermeiden, Toleranzentwicklung, das heißt, dass eine zunehmend höhere Trinkmenge für die gleiche Wirkung benötigt wird, Vernachlässigung anderer Interessen und eingeengte Verhaltensmuster, um das Suchtmittel regelmäßig konsumieren zu können, Fortführung des Konsums trotz des Wissens um negative körperliche, psychische oder soziale Konsequenzen.

Ernstzunehmende Hinweise auf eine Suchterkrankung können körperliche Beschwerden wie zum Beispiel erhöhte Blutwerte, insbesondere der Leber sein. Aber auch Auffälligkeiten am Arbeitsplatz durch Fehlzeiten oder partnerschaftliche Probleme wegen des Alkoholkonsums sind nicht selten.

Alkoholabhängigkeit ist seit 1968 als Krankheit anerkannt und zählt zu den Verhaltensstörungen mit psychischen, körperlichen und sozialen Schädigungen. Betroffene können nach einer gewissen Zeit ihren Alltag häufig nicht mehr ohne Alkohol bewältigen.

Häufig haben betroffene Menschen aus eigenen Stücken versucht, den Alkoholkonsum zu reduzieren bzw. ganz aufzuhören. Gelingt dies nicht, gehören das schlechte Gewissen, Selbstvorwürfe sowie Bagatellisieren der Trinkmenge zum Krankheitsbild. Diesen Teufelskreislauf von Trinkpausen und Rückfällen zu durchbrechen ist schwer und bedarf meist fachlicher Hilfe.

Diese Hilfe bietet die Fachambulanz für Suchtkranke im Caritas Zentrum. Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe des Kreuzbundes und anderen Selbsthilfeangeboten, die auch regelmäßig im Caritas-Zentrum Erbach stattfinden.

Kontakt:

Fachambulanz für Suchtkranke im Caritas Zentrum
Hauptstraße 42
64711 Erbach

Informationen und Terminvereinbarungen unter
Telefon 06062 / 95 53 30 oder
Email: sucht@caritas-erbach.de

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