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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Coach Modell für geflüchtete Menschen in den Erstwohnhäusern

Vor einem Jahr begann Regina Präger ihre Arbeit beim Caritasverband Darmstadt. Die diplomierte Sozialpädagogin und Mediatorin wurde mit einer 25 % - Stelle Koordinatorin für das Projekt „Umgang mit Suchtmittelkonsum und Glücksspiel in den Erstwohnhäusern der Stadt Darmstadt.“

Anlass für das Projekt waren die rund 1.800 Menschen, die in den Erstwohnhäusern in Darmstadt leben. „Durch die Kriegs- und Fluchterlebnisse sind viele geflüchtete Menschen traumatisiert und leiden an posttraumatischen Belastungen“, berichtet die Caritasmitarbeiterin. Schätzungen liegen bei 20 bis 50 Prozent von Betroffenen. Eine unsichere Zukunftsperspektive, das enge Zusammenleben und die teilweise fehlende Tagesstruktur wirken zu all den Problemen destabilisierend. „Das Gefühl von Fremdsein durch noch fehlende Sprachkenntnisse, der fehlende Zugang zu Therapie, Behandlung und Arbeit können dazu führen, dass die Betroffenen gelegentlich versuchen, die Probleme mit Suchtmitteln wie Alkohol, Drogen oder Glücksspiel zu verarbeiten oder sich abzulenken“, so die Fachfrau. Und damit beginne eine neue Problemlage: „Bei einem Suchtmittelkonsum oder dem Ausüben des Glücksspiels kommt es zu einer kurzfristigen positiven Wirkung auf das emotionale Erleben. Die kurzfristig scheinbar positive Wirkung verstärkt den weiteren Konsum und damit das Risiko eine Sucht zu entwickeln“, erläutert Regina Präger das Dilemma. Nicht nur die Betroffenen, auch ihre Angehörigen und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Erstwohnhäusern, die die Geflüchteten täglich betreuen, stellt dies vor große Herausforderungen.

Insbesondere der Konsum von Alkohol und Cannabis wird als steigend registriert und die damit verbundenen Probleme in zunehmendem Maße wahrgenommen. Um für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die mit ihnen arbeitenden Menschen, professionelle wie ehrenamtliche Helfer, eine Anlaufstelle zu bieten, finanziert die Wissenschaftsstadt Darmstadt die Projektstelle seit Mai 2017. Nun wurde das Projekt für ein weiteres Jahr verlängert.

Zunächst wurde in allen Erstwohnhäusern der Bedarf an Suchtberatung und Prävention abgefragt. Dabei stießen Andrea Wiechert, die Leitung des Suchthilfezentrums und Regina Präger auf großes Interesse an den Themen „Umgang mit dem Konsum von Suchtmitteln“, „Zusammenhänge zwischen Trauma und Sucht“, Angebote im Suchthilfesystem. Im Suchtbereich erfahrene Kollegen führten entsprechende Informationsveranstaltungen im Suchthilfezentrum Darmstadt durch. Aufgrund der Besuche in den Erstwohnhäusern ist die gebürtige Schweizerin, die 18 Jahre auf Malta lebte und dabei selbst erfahren hatte, in der neuen Heimat fremd zu sein, mit verschiedensten Angeboten mit den dort lebenden Menschen ins Gespräch gekommen. In der Jefferson-Siedlung wurde zum Beispiel eine Kochgruppe für abgelehnte afghanische Männer ins Leben gerufen, eine wöchentliche Sprechstunde im Suchthilfezentrum eingeführt und eine Austauschrunde mit dem behandelnden Arzt initiiert. In der Otto-Röhm-Straße wurde ein Internationales Frauenfrühstück eingeführt und in das Gemeinschaftshaus Pallaswiesenviertel verortet. Auch das Männerfrühstück in der Bismarckstraße, die wöchentliche Sprechstunde im Neuwiesenweg oder die Beratung in der Haasstraße haben alle das Ziel, den Menschen das breit aufgestellte Suchthilfesystem des Caritasverbandes und die vielen Angebote zur psychosozialen Versorgung von Menschen in verschiedenen Lebenslagen auf niedrigschwellige Art und Weise bekannt zu machen.

Mit den zehn Wochenstunden, die Regina Präger durch das Projekt zur Verfügung steht, ist es ihr gelungen, ca. zehn Prozent der in den Erstwohnhäusern lebenden Menschen zu erreichen. Nun motiviert sie die hilfesuchenden Menschen und Angehörige sich bei ihr, bzw. im Suchthilfezentrum beraten lassen oder andere psychosoziale Hilfsangebote zu nutzen. Die offene Sprechstunde findet dienstags von 14-16 Uhr sowie donnerstags von 10-11 Uhr in den Räumen des Suchthilfezentrums in der Wilhelm-Glässing-Straße statt. „Es ist wichtig, wenn ein Dolmetscher Betroffene mit wenigen Deutschkenntnissen zur anonymen und kostenlosen Sprechstunde begleitet“, so die Caritasmitarbeiterin, die als Coach Ansprechpartnerin für die Institutionen in den Erstwohnhäusern, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen aber auch Ordnungsamt und Polizei ist und regelmäßig an Treffen mit den Koordinatoren der Wissenschaftsstadt Darmstadt sowie im Arbeitskreis Sucht und Drogen vom Kommunalen Präventionsrat der Stadt Darmstadt teilnimmt.

Das Coachmodell ist eine Schnittstelle zwischen den verschiedenen Akteuren und den Bewohnern in den Erstwohnhäusern. Ich denke, wir haben im vergangenen Jahr einiges erreicht, dafür bin ich dankbar. Im zweiten Projektjahr dürfen sich die Beziehungen und das Projekt weiter entwickeln“, so Regina Präger, die nun idealerweise auch als Mitarbeiterin im neuen Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete Südhessen PZGS tätig ist und somit vielen geflüchteten Menschen auf unterschiedlichen Hilfewegen mit ihrer ressourcen-orientierten Haltung zur Seite steht.

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