
Nach einer dreitägigen Anreise haben die indischen Ordensschwestern der Gemeinschaft "Mägde Mariens" nicht nur ihre Koffer im Gepäck, sondern auch viele Fragen, Erwartungen und ein Stück Heimweh. Mit ihrer Ankunft in Deutschland beginnt für sie ein völlig neues Kapitel.
Beim Austausch im Altenheim in Bürstadt spricht Schwester Mariana Lakra in nahezu perfektem Deutsch über ihre Gefühle, als sie vor 17 Jahren hier in Deutschland ankam.
Vieles war ihr anfangs fremd: Das Klima fühlte sich kühl an, das Essen schmeckte ungewohnt und der Alltag in Deutschland schien zum Teil wie eine andere Welt. Auch die Struktur der Altenhilfe war eine Umstellung: In ihrer Heimat Indien werden ältere Menschen meist im Familienkreis oder im Krankenhaus versorgt; klassische Altenheime sind dort kaum verbreitet. So erlebte die Schwester im Beruf und privaten Alltag viele neue Erfahrungen. Nach Stationen in der Seelsorge und Pflege, unter anderem in Ober-Olm, Groß-Zimmern und Gau-Algesheim, arbeitet sie seit September 2022 als Betreuungskraft im Caritas Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung. Für sie ist Deutschland längst zur "zweiten Heimat" geworden.
Das gibt Sr. Reshma und Sr. Prafulla ein gutes Gefühl. Die beiden Schwestern sind im April dieses Jahres neu angekommen, um das Team in Lampertheim zu verstärken. Aktuell arbeiten sie mit einem Stellenanteil von 30 Prozent, da der Fokus zunächst auf dem intensiven Spracherwerb liegt. "Dies ist die Grundvoraussetzung für den nächsten großen Schritt: die berufliche Anerkennung als Pflegefachkräfte, ein anspruchsvoller Weg, den wir als Verband auch eng begleiten", so Caritasdirektorin Stefanie Rhein, die sich mit den Heimleiterinnen über die Unterstützung der Schwestern sehr freut. "Die Schwestern verbreiten viel Herzlichkeit. Sie sind unser Sonnenschein, da sie immer mit einem Lächeln im Haus unterwegs sind", sagt Heimleiterin Rebecca Bauer. "Auch in den schwersten Stunden sind die Schwestern da. Sie sitzen am Bett und halten den Sterbenden die Hand."
Sr. Sangeta Kujur und Sr. Arati Dungdung arbeiten seit einem Jahr im Altenheim in Bürstadt. "Die Eingewöhnung gelang schnell", berichtet die stellvertretende Pflegedienstleiterin Cornelia Kremski. "Die Schwestern gehen offen auf die Menschen zu, lernen Sprache und Kultur kennen und finden Schritt für Schritt ihren Platz in der Gemeinschaft." Der Dienst der Schwestern in Deutschland ist langfristig angelegt; lediglich alle drei Jahre kehren sie für einen sechswöchigen Heimatbesuch nach Indien zurück. Alle drei Monate treffen sie sich zum Austausch, und einmal im Jahr ziehen sie sich für sechstägige Exerzitien zurück, um Kraft zu tanken.
Anfangs habe es aufgrund der Sprache oder kultureller Unterschiede auch mal Barrieren gegeben, berichtet Sr. Marianna. Doch das habe sich im direkten Kontakt schnell geändert. In den Einrichtungen des Caritasverbandes erleben die Bewohnerinnen und Bewohner die Schwestern als große Bereicherung. "Oft sitzen sie zusammen und tauschen sich mit den Schwestern über die unterschiedlichen Traditionen und kulturellen Besonderheiten aus", so Heimleiterin Melanie Hagedorn. Für die Mitglieder der Pfarrei Alfred Delp Südliches Ried bietet Pfarrer Christian Rauch 2027 ein besonderes Angebot: Eine zehntägige Reise nach Indien führt Interessierte zum Mutterhaus der Gemeinschaft sowie zu deren Schulen und sozialen Projekten.