
Dreimal pro Woche kamen die Teilnehmerinnen vormittags in den Sprach- und Alphabetisierungskurs. Für viele war das alles andere als einfach. Sie mussten nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern überhaupt erst lesen und schreiben, Fähigkeiten, die sie in ihrer Heimat nicht erlernen konnten. Besonders herausfordernd war dabei der Alltag als Mutter. Damit die Frauen regelmäßig am Unterricht teilnehmen konnten, organisierte der Caritasverband eine eigene Kinderbeaufsichtigung für nicht schulpflichtige Kinder. So wurden phasenweise bis zu zehn Kinder von den Caritasmitarbeiterinnen Agnieszka Maria Fritsch und Anna Malesa parallel betreut, damit ihre Mütter lernen konnten.
Doch genau dann, wenn die Kinder in den Kindergarten wechseln, beginnt oft das eigentliche Problem: Eingewöhnungszeiten, Schließtage und die Anforderungen des Familienalltags schaffen viele Hürden. "Ab dem Moment, in dem die staatliche Betreuung einsetzt, wird es wirklich kompliziert", beschreibt Lehrerin Maike Siegel die Situation. Gesetzlich darf die Kinderbeaufsichtigung der Caritas nur so lange angeboten werden, bis die Kinder schulpflichtig sind. Oft verlassen die Kinder die Beaufsichtigung, wenn sie einen Kindergartenplatz haben, danach wird es für viele Frauen deutlich schwerer, ihren Lernweg fortzusetzen.
Die ehemalige Grundschullehrerin sieht ihre erste Aufgabe immer darin, eine gute Klassengemeinschaft zu schaffen. Das sei auch hier gut gelungen, obwohl die Frauen aus Afghanistan, Türkei, Syrien, Äthiopien, Somalia und Irak schulisches Lernen kaum kannten. Dass die Frauen so gut mitgemacht haben und nun ihr Zertifikat für den Deutsch-Test für Zuwanderer in den Händen halten ist für die Lehrerin eine beeindruckende Leistung: "Fast alles, was Kinder in vier Jahren Grundschule lernen, haben diese Frauen in so viel kürzerer Zeit bewältigt."
Zur feierlichen Zertifikatsverleihung kamen viele Teilnehmerinnen in ihrer farbenfrohen Landestracht und hatten für die Feier landestypisches Essen mitgebracht. Caritasdirektorin Stefanie Rhein gratulierte herzlich und betonte die lange Tradition der Sprach- und Integrationskurse für Frauen beim Caritasverband. "Frauen zu stärken ist ein zentrales Anliegen unserer Arbeit. Nur wenn Kinder gut begleitet werden, können Mütter erfolgreich lernen." Sie wünschte den Frauen und ihren Familien eine gute Zeit und Integration in Deutschland und ermunterte sie: "Seid weiter mutig und geht Euren Weg!"
Gerade im Kontakt mit Erzieher*innen, Lehrer*innen und Behörden werde deutlich, wie wichtig sprachliche Selbstständigkeit ist. "Lesen und Schreiben bedeuten Unabhängigkeit, nicht mehr auf andere angewiesen zu sein, selbst Entscheidungen treffen zu können und auf Augenhöhe am Leben in Deutschland teilzunehmen", so Johanna Leichtweiß, Dienststellenleiterin des Migrationsdienstes. Sie dankte der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, der sozialpädagogischen Begleitung durch Caritasmitarbeiterin Rebecca Vatter von der Migrationsberatung sowie der Koordinatorin der Integrationskurse, Stefanie Eckel. Diese ermunterte die Frauen, ihren Weg weiterzugehen: "Das Zertifikat ist der erste Schritt! Jetzt geht es darum, die Sprache weiter zu nutzen und dranzubleiben. Das Begegnungscafé im Mehrgenerationenhaus Bensheim ist dafür eine gute Gelegenheit. Ihr habt nun einen tollen Schlüssel für Eure Zukunft in Eurer Hand!"
Kontakt:
Das Zertifikat Integrationskurs ist für die Aufenthaltsverfestigung und für die weitere berufliche Laufbahn zwingend erforderlich. Alle Frauen, die für sich einen Hilfebedarf sehen, können sich gerne beim Migrationsdienst Bergstraße, Klostergasse 5 A, 64625 Bensheim, Tel.: 06251 854250, E-Mail: migration.bergstrasse@caritas-darmstadt.de unverbindlich informieren.