
Wenn ein Krisendienst mit einer 24-Stunden-Erreichbarkeit umzieht und gleichzeitig eine neue Telefonanlage installiert wird, ist das eine echte Herausforderung, für das Team ebenso wie für die IT-Abteilung. Der Krisendienst Südhessen hat diesen Schritt im laufenden Betrieb gemeistert: Hotline und Beratung waren auch während des Umzugs rund um die Uhr erreichbar. Nun wurden der Presse die neuen Räume und das Konzept vorgestellt.
"Es war schon ein Kraftakt", erzählt Maren Ewald. Die Diplom-Soziologin mit einem Bachelor in Pflege- und Gesundheitsförderung bringt langjährige Erfahrung aus leitenden Tätigkeiten in verschiedenen Beratungsbereichen mit. Als sie am 1. März die Koordination übernahm, standen die Umzugspläne für Mai bereits fest. Die neuen Räumlichkeiten am Schlossgartenplatz bieten ideale Bedingungen für das zwölfköpfige Team. Gleichzeitig plant der Caritasverband Darmstadt den Verkauf der Immobilie am bisherigen Standort. "Diese Entscheidung war das Ergebnis einer regulären Prüfung unseres Immobilienbestands", erklärt Caritasdirektorin Stefanie Rhein. "Da die Krisenpension am alten Standort leider nicht mehr von den Krankenkassen refinanziert wurde, waren die Räumlichkeiten langfristig zu groß. Deshalb haben wir den Umzug gewagt. Mein Dank gilt dem gesamten Team und der IT-Abteilung, die diese Herausforderung gemeinsam bewältigt haben."
Wie hoch der Bedarf an Unterstützung ist, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2025 wurden rund 2.000 telefonische Beratungen über die psychiatrische Krisenhotline geführt. Hinter jeder Zahl stehen persönliche Schicksale und belastende Lebenssituationen. "Männer und Frauen nehmen das Angebot gleichermaßen in Anspruch", berichtet Janina Helm, Leiterin des Fachbereichs Psychiatrie und damit auch des Krisendienstes. "Viele Menschen sind erleichtert, außerhalb der üblichen Öffnungszeiten klassischer Beratungsstellen Unterstützung und Entlastung zu erhalten."
Manche Anliegen lassen sich bereits im Telefongespräch klären, etwa Konflikte im Beruf, in der Partnerschaft oder innerhalb der Familie. "Oft spüren wir, dass Menschen niemanden haben, mit dem sie offen über ihre Probleme sprechen können. Dann helfen schon ein offenes Ohr und eine erste Orientierung", so Janina Helm.
In schweren Krisensituationen, bis hin zu Suizidgedanken, leiten die Mitarbeitenden weitere medizinische Hilfe ein. Sie bleiben am Telefon, bis Rettungskräfte eingetroffen sind und sichergestellt ist, dass die betroffene Person vor Ort versorgt wird.
Auch die psychosoziale Beratung begleitet Menschen, jedoch über einen längeren Zeitraum, beispielsweise bei akuten Erschöpfungszuständen, depressiven Symptomen oder Belastungen im Alltag, die die seelische Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Im vergangenen Jahr fanden rund 1.300 solcher Beratungsgespräche statt. Termine werden zeitnah und flexibel am Schlossgartenplatz oder in der Außenstelle in Babenhausen, Fahrstraße 28, vergeben, bei Schichtdienst auch früh morgens oder am späteren Abend. Das Angebot richtet sich an Mitarbeitende von Unternehmen und Krankenkassen, Bürgerinnen und Bürger kooperierender Kommunen sowie an Menschen, die bereits im Rahmen der Eingliederungshilfe beim Caritasverband Darmstadt e.V. angebunden sind. Auch Privatzahlende können die Leistungen nutzen.
Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem die Lufthansa, die Merck BKK oder die Stadt Trier. Die Zusammenarbeit wird individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt. Neben Beratung und Krisenhotline gehören auch Schulungen und Vorträge zum Angebot, etwa für Führungskräfte, die lernen möchten, Warnsignale psychischer Krisen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren.
"Der größte Vorteil ist, dass Menschen in akuten Krisen sofort Hilfe erhalten, ohne die sonst üblichen lange Wartezeiten. Dadurch konnten bereits zahlreiche Krankenhausaufenthalte verhindert werden", betont Caritasdirektorin Stefanie Rhein. "Die Betroffenen gewinnen Stabilität, Selbstvertrauen und neue Perspektiven. Davon profitieren auch Arbeitgeber, weil Ausfallzeiten reduziert werden können. Es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten."
Angesichts steigender psychischer Belastungen hofft die Direktorin auf weitere Kooperationspartner für Beratung, Coaching und Krisenhotline. Ziel sei es, Mitarbeitenden in herausfordernden Zeiten einen verlässlichen Anker für psychische Gesundheit und Lebensqualität zu bieten.