URL: www.caritas-darmstadt.de/aktuelles/pressemitteilungen/tag-des-migranten-und-fluechtlings-d27a0948-4e78-49e7-b7b1-33f0515beccc
Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Tag des Migranten und Flüchtlings

Sie sind für  etwa 15.000 geflüchtete Menschen zuständig.

Das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete in Südhessen (PZGS) ist seit drei Jahren für die psychosoziale Betreuung von geflüchteten Menschen in Südhessen tätig. Die Hilfsmaßnahmen für geflüchtete Menschen werden in Südhessen gemeinsam vom Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Darmstadt-Stadt und Caritasverband Darmstadt vermittelt.

Die Mitarbeitenden erleben bei ihrer täglichen Arbeit viele Schicksale, die zeigen, dass sich noch vieles tun muss, damit die gewünschte Integration in naher Zukunft gut gelingen wird und der Input der unterschiedlichen Kulturen als Bereicherung erlebt wird.

 "Unser Angebot richtet sich vorrangig an psychisch schwer belastete Flüchtlinge, denen wir sowohl Einzel- als auch Gruppengespräche anbieten", berichtet Marion Silberreiss, Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin. "Anfänglich haben wir bei fast allen Beratungen Übersetzungen benötigt, da wir mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Ländern arbeiten. Afghanistan, Syrien, Eritrea, Iran, Irak, Somalia, Marokko, Türkei sind nur einige Beispiele. Trotz der zunehmend besseren Deutschkenntnisse der geflüchteten Menschen ist die Arbeit mit Sprachmittler*innen nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer Tätigkeit."

Wie sieht diese Arbeit konkret aus?

"Die Menschen, die den Weg zu uns finden, haben in der Regel einen sehr langen beschwerlichen Weg hinter sich. Fast alle Klient*innen berichten über dramatische Gewalterfahrungen, die sie gezwungen haben, die Flucht nach Europa anzutreten. Viele von ihnen wären ohne die Flucht vermutlich nicht mehr am Leben." Neben politischer Gewalt geht es oftmals auch um blutige Rachefeldzüge aus religiösen oder familiären Gründen. "Dies betrifft nicht nur Erwachsene; auch Kinder kommen zu uns und berichten von ihren schrecklichen Erinnerungen", so die Beraterin.

Dieser "Dauerstress" führe neben Posttraumatischen Belastungsstörungen zu Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Anpassungsstörungen, häufig auch zu Schmerzstörungen. Die Flucht sei für die meisten mehr als beschwerlich. Oft komme es auf dem Weg nach Deutschland erneut zu Traumatisierungen. "Das Ankommen in einem fremden Land mit einem ganz anderen kulturellen Bezugssystem ist eine Herausforderung", so Maria-Antonia Estol, die Leiterin des Zentrums. Noch schwieriger sei die Lage für Menschen, die eine schlechte Bleibeperspektive haben und von Monat zu Monat bangen müssten, abgeschoben zu werden. Die Enttäuschung und Frustration sei schwer zu ertragen und behindere die Heilung der psychischen Wunden erheblich.

Da jedes Schicksal anders sei, brauche jede und jeder eine fallspezifische, individuelle Beratung, um dieses Leid zu lindern. "Dennoch besteht weiterhin ein hoher Bedarf an Weitervermittlung an niedergelassene Fachärzt*innen", so Marion Silberreiss. Daher sei der nächste Schritt eine erfolgreiche Vermittlung in die Regelversorgung, um somit das Einleben in Deutschland zum Erfolg werden zu lassen.

Kontakt für Rückfragen und weitere Informationen:

Dipl. psych. M. Silberreiss, Psychologische Psychotherapeutin (TP)

Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Südhessen

Caritasverband Darmstadt e.V. /DRK Kreisverband Darmstadt-Stadt e. V.

Wilhelm-Glässing-Str. 15-17, 64283 Darmstadt

Tel.  06151-5002860

E-Mail: m.silberreiss@pzg-suedhessen

Info:

Das Psychosoziale Zentrum für Geflüchtete in Südhessen (PZGS) wurde als Folgeprojekt der "Step by Step Initiative" (Sigmund Freud Institut Frankfurt, Frau Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber) im Michaelisdorf (EAE) vom Hessischen Sozialministerium initiiert und gefördert. Das Projekt wird in Trägergemeinschaft vom Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Darmstadt Stadt e. V. und dem Caritasverband Darmstadt e. V. umgesetzt. Das Team besteht aus Sozialpädagog*innen und Dipl. Psycholog*innen bzw. psychologischen Psychotherapeut*innen; tatkräftig unterstützt vom Sekretariat. Die regionale Zuständigkeit umfasst die Gebiete: Stadt Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Kreis Odenwald, Kreis Bergstraße, Kreis Groß-Gerau.

Das Zentrum arbeitet mit den Sozialdiensten vor Ort zusammen. Anfragen kommen auch über den direkten Kontakt mit Geflüchteten, Ehrenamtlichen oder Institutionen wie Schule und Kindergarten. So zeitnah wie möglich werden Gesprächstermine vereinbart.

Copyright: © caritas  2020