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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Mutiger durchs Leben gehen

Die 13 Frauen, die zur Zertifikatsübergabe in die Räume des Gemeinschaftshauses Pallaswiesenviertel gekommen sind, hatten Glück, denn die Plätze sind begehrt. Sie sind daher auch sehr froh und dankbar, dass sie an einem Frauenintegrationskurs mit Kinderbetreuung teilnehmen konnten.

Zur Zeit haben wir 60 Frauen in Darmstadt auf der Warteliste, die Interesse an einem unserer Frauenintegrationskurse haben“, erzählt Sonja Klotz. Die Caritasmitarbeiterin koordiniert die Kurse in Darmstadt und steht während der Kurslaufzeit den Frauen bei den Alltagssorgen, Problemen und Verwaltungsfragen zur Seite. Einen weiteren Kurs betreut sie derzeit noch bis März 2018 im Muckerhaus in Darmstadt-Arheilgen und für einen neuen Kurs laufen derzeit schon die Vorbereitungen.

Horst Miltenberger, Dienststellenleiter der Gemeinwesenarbeit, gratulierte den Frauen, die eineinhalb Jahre viel Mühe und Anstrengung in den Kurs investiert haben. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, freut sich Horst Miltenberger, der beeindruckt ist, wie gut sich die Frauen in deutscher Sprache unterhalten. „Sprache ist der Schlüssel für Teilhabe und Integration. Sie können sich nun mit anderen Eltern austauschen, mit den Lehrerinnen und Lehrern in der Schule ihrer Kinder sprechen, alleine einkaufen, mit dem Kind zum Arzt gehen und eine Arbeit finden.“ Er bedauerte, dass im nächsten Kurs die Kinderbetreuung aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen nicht weiter angeboten werden könne.

Auch Antonia Estol bedauert dies sehr, doch um die Kinderbetreuung in gewohnt qualifizierter Art und Weise weiterhin anzubieten, bedarf es einer stabilen und ausreichenden Finanzierung der Kinderbetreuung. Die nötigen finanziellen Mittel werden zurzeit weder vom Bundesamt für Migration noch von der Stadt Darmstadt zur Verfügung gestellt. Der Leiterin des Darmstädter Migrationsdienstes ist bewusst, dass viele der 13 Frauen die erfolgreiche Teilnahme am Kurs über eineinhalb Jahre hinweg nur durch die entsprechende Unterstützung geschafft haben.

Drei mal die Woche haben sich die Frauen mit ihrer Lehrerin getroffen, um die neun Module durchzuarbeiten, um den Wortschatz und die schwere deutsche Grammatik zu lernen. Lehrerin Tatsiana Markovic hat den Frauen, die sehr unterschiedliche Vorbildungen hatten, mit großem Engagement zur Seite gestanden. Manch eine besuchte früher kaum die Schule, andere haben einen Uniabschluss. Mit viel Empathie gelang es der Lehrerin, den 900 stündigen Sprachkurs erfolgreich durchzuführen. Die Prüfungsergebnisse der Caritasteilnehmerinnen liegen über denen des Bundesdurchschnittes. Die spricht für die in den Kursen eingesetzten Lehrerinnen und das Caritaskonzept. Die Teilnehmerinnen konnten sich mit allen Fragen und Unsicherheiten an die Sozialpädagogin Sonja Klotz wenden. Mit den Frauen zusammen erarbeitete sie Lösung für die Alltagsprobleme. Der Frauenintegrationskurs umfasst auch einen 100 stündigen Orientierungskurs. In diesem werden Gesetzte, Politik, Kultur und Geschichte der neuen Heimat vermittelt. Informationen über Rechte und Pflichten, den deutschen Alltag, Traditionen, Vorschriften und Freiheiten sind weitere wichtige Themen.

Die Frauen, die aus Marokko, Jordanien, Syrien, Irak, Iran, Brasilien, Bolivien und Ghana stammen, lebten vor dem Kurs zum Teil schon einige Jahre hier in Deutschland. Nach Beendigung des Integrationskurses beginnen sie nun, neue Pläne zu schmieden. „Das Ende des Kurses ist der Anfang eines neuen Weges“, ermuntert die Lehrerin bei der Zertifikatsübergabe. „Bleibt neugierig und lasst euch von Niederlagen nicht entmutigen. Ich hoffe, dass eure Pläne und Ziele in Erfüllung gehen werden.

Die meisten der Kursteilnehmerinnen sind nun an einer Ausbildung interessiert. Manche wollen auch ein Studium beginnen. Zwei Frauen arbeiteten in der früheren Heimat als Englischlehrerrinnen. Ihr Traum ist es, diesen Beruf auch hier in Deutschland wieder auszuüben. Andere möchten gerne in die Krankenpflege, Altenpflege oder auch in einer Bäckerei arbeiten.

Leila Davoodi Harzavili hat gemeinsam mit Franziska Kreipner während des Unterrichts die Kinder im Nebenraum professionell betreut. Anfangs waren es 14 unter drei Jahren. Die beiden haben den Müttern geholfen, sich voll und ganz auf das Lernen zu konzentrieren. Dafür waren die Frauen den beiden sehr dankbar. Auch sie bedauern, dass neue Kursteilnehmerinnen den Vorteil der kursbegleitenden Kinderbetreuung nicht genießen werden können. Alle hoffen, dass die Finanzierung der Kinderbetreuung auf eine stabile Grundlage gestellt wird, die es erlaubt, Frauen wie Leila Davoodi Harzavili für ihre qualifizierte Arbeit einen fairen und verlässlichen Arbeitsvertrag anzubieten.

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