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Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Ein Urgestein verlässt die Caritas

 "Ein guter Schnitt", findet der Diplom-Psychologe, dem nur noch vier Monate bis zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum fehlen. Als 25-jähriger hatte er nach seinem Studium in der Erziehungsberatung der Caritas angefangen. "Ein echter Glücksfall, sofort meine Wunscharbeitsstelle zu finden", so Kurt Hahn, der schon nach zweieinhalb Jahren die Leitung der Dienststelle übernommen hatte. Gemeinsam mit seinem Team aus Sozialarbeitern, Psychologen, Kinder- und Jugendtherapeuten sowie einer Verwaltungskraft hat er in all den Jahren viele Herausforderungen angepackt und die Arbeit in der Erziehungsberatung wie kein anderer in der Region geprägt.

Über all die Jahrzehnte war die Nachfrage nach Erziehungsberatung ungebrochen hoch, denn "Erziehung war und ist nie leicht", so der Fachmann. Doch seien die Probleme heute andere geworden. "Familiennetze zerreißen, so dass die Zahl der Alleinerziehenden stark angestiegen ist. Aber auch Leistungsdruck bei der Arbeit, Orientierungsunsicherheit in unserer sich schnell verändernden Welt und zunehmender Stress sorgen dafür, dass sich viele bei der Erziehung überfordert fühlen. Die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist komplizierter geworden. Ängste sind gewachsen und daher brauchen die Betroffenen Unterstützung, um mit den vielfältigen Herausforderungen des Alltags gut umgehen zu können. Hierbei können moderne systemisch-lösungsorientierte Kurzberatungsmethoden, wie sie in der Beratungsstelle seit Jahrzehnten angewendet werden, oft sehr wirksam helfen.

Das erfahrene Mitarbeiterteam der Erziehungsberatungsstelle bietet in all diesen Belastungssituationen professionelle Hilfe und begleitet durch schwierige  Phasen. Die Beratungsgespräche können von Familien, Eltern, Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und anderen Sorgeberechtigten kostenfrei in Anspruch genommen werden.

Auch wenn viele die Beratungsstelle in akuten Belastungs- oder Krisensituationen, z.B. bei länger dauernden Konflikten in der Familie oder in der Schule, nach einer Trennung oder Scheidung aufsuchen, so ist es doch das eigentliche Ziel des präventiven Dienstes dabei zu helfen, dass es erst gar nicht zu ernsthaften Spannungen, Konflikten und Trennungen kommt. "Die Betroffenen brauchen Beruhigung, Klärung der Situation, neue Perspektiven, Ermutigung zu stimmigen Formen der Kommunikation von Bedürfnissen. Schon wenige Sitzungen reichen oft aus, um aufgewühlte Emotionen zu regulieren und Mut zu bekommen für neue Wege." In den vierzig Jahren hat Kurt Hahn vielen Eltern, Kindern und Jugendlichen  geholfen, blockierte eigene Fähigkeiten wieder frei zu legen und wesentliche soziale Beziehungen wieder zu stärken. "Menschen dabei zu unterstützen, dass sie merken, sie können etwas Gutes bewirken in ihren Beziehungen, Selbstwirksamkeit zu erleben wie wir das nennen schafft Zufriedenheit und hat mich immer wieder aufs neue inspiriert", so der Caritasmitarbeiter.

Um den präventiven Ansatz der Arbeit zu verstärken, entwickelte Kurt Hahn gemeinsam mit den Kollegen der Erziehungsberatungsstellen in Bensheim und Lampertheim neue Konzepte, um frühzeitig Hilfe anzubieten. So entstand neben der sogenannten "Komm Struktur", also dem Besuch von Hilfesuchenden in der Beratungsstelle, die "aufsuchende Arbeit". Das bedeutet, dass Mitarbeitende der Erziehungsberatung eng mit Kindertagesstätten und Schulen zusammenarbeiten, indem sie diese selbst aufsuchen, um vor Ort Kindern, Jugendlichen und deren Eltern, aber auch Erzieherinnen und Lehrern bei Konflikten Hilfe anzubieten. Außerdem wurden neben der Hauptstelle in Heppenheim Außenstellen in Fürth und Wald-Michelbach aufgebaut, um Familien im ländlichen Raum das Aufsuchen der Beratungsstelle noch mehr zu erleichtern. Seit mehr als zehn Jahren werden zudem in öffentlichen Schulen in Heppenheim und Bensheim Programme zur Gewaltprävention angeboten.

"Wir haben über die Jahrzehnte ein Jugendhilfekraftfeld aufgebaut", resümiert Kurt Hahn die Arbeit mit seinem Team. "Erziehungsberatung wurde durch Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit ergänzt. Seit zehn Jahren arbeiten wir darüber hinaus  aufsuchend in der Erziehungsberatung mit  Kindertagesstätten (derzeit 37) und  Schulen (derzeit neun)  zusammen. Diese frühe Prävention zahlt sich aus. Oftmals genügen bei Familien mit kleinen Kindern wenige Gespräche, um zufriedenstellende Wirkungen zu erzielen."

Über all die Jahre hat Kurt Hahn sich als Dienststellenleiter auch immer mit knappen Geldern auseinandersetzen müssen. "Die Daseinsvorsorge bröckelt, wie die Straßen bröckeln", bringt er seine Meinung auf den Punkt. Dabei bringen Beratungsdienste und Programme der Daseinsvorsorge wie Beratung im Kindergarten (BIK), Beratung in der Schule (BiS) oder Schule und Betrieb (SchuB) Kindern und Jugendlichen nachweislich große Entlastungen. Entwicklungsschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, aber auch Integrationsschwierigkeiten von Migranten könnten mit fachlicher Hilfe noch besser behoben werden, als es aufgrund knapper Mittel heute möglich ist.

"Eltern sein ist heute ein Jonglieren mit 15 Bällen gleichzeitig", umschreibt Kurt Hahn die Situation treffend. "Das schafft kaum jemand  ohne familiäre oder eben auch fachliche Unterstützung und so nutzen rund zwei Prozent der Eltern im Einzugsbereich der Beratungsstelle pro Jahr die Beratungsstelle. Das sind, bis ein Kind 18 geworden ist, etwa ein Drittel aller Eltern. Dies entspricht auch annähernd dem durch Erhebungen festgestellten Beratungsbedarf bundesweit."

In Heppenheim und Umgebung ist die Erziehungsberatungsstelle dank des Netzwerkers Kurt Hahn gut eingebunden. Er bereicherte viele Gremien und Arbeitsgemeinschaften auch  diözesan- und bundesweit durch sein Fachwissen. Er selbst ist dem Caritasverband sehr dankbar, dass er dieses Jugendhilfe-Themenfeld über all die Jahre wesentlich mitgestalten konnte. Sein Team, mit dem ihn bei aller Unterschiedlichkeit der Rollen als Leiter und als Mitarbeiter ein kollegiales Verhältnis verbindet, sieht er für den Neubeginn in Fürth gut aufgestellt. Durch die Verlagerung der Hauptstelle nach Fürth in das Gebäude der Müller-Guttenbrunn-Schule, In den Pfarrwiesen 1, erhält die Odenwaldregion des Kreises Bergstrasse erstmals eine eigene Beratungsstelle. Die Versorgung von Heppenheim und Wald-Michelbach bleibt mit Nebenstellen weiter erhalten. Dadurch wird die Erziehungs- und Familienberatung des Caritasverbandes Darmstadt noch flächendeckender und regional ausgewogener angeboten.

Kurt Hahn selbst freut sich nun aber auf seinen neuen Lebensabschnitt. Auf die neu gewonnene selbstgestaltete Zeit mit Frau, Kindern und Enkelkind, dem Chor und vielem, was diese Zeit an Fülle des Lebens noch bringen kann.

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