Der Caritasverband Darmstadt e. V. feierte dieses besondere Jubiläum gemeinsam mit Wegbegleiter*innen in der Klostergasse. Dort hat das Ringelbandhaus seit seinem Umzug vor 22 Jahren sein festes Zuhause gefunden hat.
Auf einem historischen Zeitstrahl hatte das Team des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Bensheim die wichtigsten Stationen der letzten vier Jahrzehnte zusammengestellt. „Was 1986 mit dem Einzug der ersten sechs Männer in das Ringelbandhaus begann, war nicht nur gesellschaftlich revolutionär, sondern markierte den Beginn der Gemeindepsychiatrie im Kreis Bergstraße“, betonte Caritasdirektorin Stefanie Rhein. Ermöglicht wurde dieser historische Aufbruch durch den letzten Willen des Theaterkritikers Wilhelm Ringelband, der sein Stiftungskapital gezielt für die Unterstützung und Förderung benachteiligter Menschen einsetzte. Das nach ihm benannte Ringelbandhaus fand sein erstes Zuhause in der Hauptstraße 85, im aufwendig renovierten Gebäude des ehemaligen Heilig-Geist-Hospitals.
Wegweisendes Projekt
Das bestätigte auch Gastredner Constantin von Gatterburg auf der Jubiläumsfeier.
„Es war damals ein wegweisendes Projekt, das die Betreuung psychisch erkrankter Menschen durch seine Ausstrahlung in der Region grundlegend veränderte“, so der ehemalige Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Gesundheitsamt des Kreises Bergstraße. Er nahm die Jubiläumsgäste mit auf eine Zeitreise und teilte persönliche Erinnerungen aus seinen mehr als drei Jahrzehnte langen Erfahrungen in der Gemeindepsychiatrie. „Es war mehr als ein Wechsel vom Mehrbettzimmer einer psychiatrischen Anstalt in ein eigenes Zimmer in Innenstadtnähe. Es war der Grundstein für ein Leben als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger, weg vom „Bewahren“, hin zu einer veränderten Haltung der Mitarbeitenden und der Gemeinschaft in Bensheim. Das Ringelbandhaus zeigte, wie es gehen kann, und hat auf andere Regionen ausgestrahlt.“
Caritasdirektorin Stefanie Rhein zeigte sich dankbar, dass sich aus diesem Vorreiterprojekt ein modernes, flächendeckendes Konzept des Betreuten Wohnens entwickelt hat, getragen von politischem Willen, dem Engagement sozialer Dienste und der Unterstützung von Angehörigen.
Umzug in die Klostergasse
Vor 22 Jahren erfolgte aus Platz- und Modernisierungsgründen der Umzug in die Klostergasse. Durch die direkte Nachbarschaft zum Caritas Zentrum Franziskushaus profitieren die Bewohner und Bewohnerinnen, denn seit 28 Jahren steht die Wohngemeinschaft auch Frauen offen, von einem eng vernetzten, niederschwelligen Beratungsangebot. „Es ist uns wichtig, Menschen mit psychischen Erkrankungen selbstverständlich in unsere Gesellschaft einzubeziehen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen. Psychische Erkrankungen dürfen kein Grund für Ausgrenzung sein“, erklärt Julia Ulrich, stellvertretende Dienststellenleiterin des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Bergstraße.
Immens verändert hat sich in den vergangenen Jahren die Verweildauer der schätzungsweise über 50 Bewohnenden, die hier bislang lebten: von anfangs etwas mehr als 14 Monaten hin zu durchschnittlich 14 Jahren in der heutigen Zeit. Die Warteliste für das Angebot ist dementsprechend lang.
Kernziel unverändert: Hilfe zur Selbsthilfe
Heute betreibt der Caritasverband im Kreis Bergstraße ein engmaschiges Hilfsnetzwerk in Bensheim, Viernheim, Lampertheim und Bürstadt. Das Angebot reicht von psychosozialen Beratungsstellen und Tagesstätten, heute Assistenzleistungen auf gesondert vorgehaltenen Flächen genannt, über Qualifizierungsprojekte bis hin zur individuellen Assistenz im eigenen Wohnraum. Trotz veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen, wie den Reformen durch das Bundesteilhabegesetz, sei das Kernziel über die Jahrzehnte unverändert geblieben, so Stefanie Rhein. „Die fachliche Begleitung orientiert sich strikt an den persönlichen Bedürfnissen der Menschen und stärkt die Hilfe zur Selbsthilfe. Unser Anspruch bleibt dabei derselbe: Wir bieten Menschen mit psychischen Erkrankungen exakt die Unterstützung, die sie für ein eigenständiges Leben in unserer Mitte benötigen.“
Dass man heute auf 40 erfolgreiche Jahre zurückblicken könne, verdanke der Verband den verlässlichen Partnern und ganz besonders dem Team vor Ort. „Unsere Mitarbeitenden begleiten die Menschen jeden Tag mit viel Herzblut, Feingefühl und hoher fachlicher Expertise. Sie füllen die ursprüngliche Idee des Stifters jeden Tag mit Leben. Für diese großartige Arbeit danke ich ihnen von Herzen.“