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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Wenn Eltern ihren Kindern kein Zuhause bieten können

Im Juli 2016 startete der Caritasverband mit einem stationären Hilfeangebot in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Die damals ersten Bewohner des Hauses in der Heimstättensiedlung waren 15- bis 17-jährige junge Männer aus Afghanistan, Eritrea und Marokko. Da diese nun teilweise volljährig sind und gelernt haben, auf eigenen Beinen zu stehen, wird das Haus nun für Kinder und Jugendliche aus der Region geöffnet.

Alexander Fiedler hat zwei aufregende aber auch anstrengende Jahre hinter sich. Der Diplom Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler ist Wohngruppenleiter der Jugendhilfeeinrichtung des Caritasverbandes Darmstadt. Gemeinsam mit Dienststellenleiter Horst Miltenberger hat er den neuen Fachbereich aufgebaut und die Wohngruppe im Sommer 2016 eröffnet. Aufgrund der damaligen Flüchtlingssituation wurde der Verband von der Stadt Darmstadt gebeten, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen und zu betreuen. „Die jungen Menschen hatten alle ein großes Päckchen mit sich zu tragen“, so der 35-jährige Gruppenleiter. „Alle haben eine sehr schwierige Lebenssituation. Sie haben zum Teil schwere Fluchterlebnisse zu verarbeiten, sind fern von Familie, manche sind in Klageverfahren und haben dadurch Existenzängste. Da quellen manchmal die Emotionen über. Das bedeutet auch für das Team viel aushalten zu müssen.“ Nicht jede und jeder kam mit all dem klar, auch weil der Schichtdienst, der an sieben Tagen die Woche jeweils 24 Stunden Betreuung abdecken muss, nicht für alle mit der Familie zu vereinbaren war. Doch jetzt ist das Team wieder komplett: Drei Frauen und vier Männer, Diplom Sozialpädagogen, Erzieher, ein Diplom Pädagoge und zwei Hauswirtschaftskräfte sorgen für Schutz, Fürsorge und Unterstützung und dafür, dass die hier lebenden Menschen in einem geschützten Rahmen Perspektiven entwickeln können.

Gemeinsam den Alltag bewältigen

Neun Plätze werden im Haus angeboten, dazu gibt es noch einen Notfallplatz und zwei Verselbstständigungsplätze. Diese befinden sich im Dachgeschoss, mit dem Ziel, in kleinen Gruppen den Alltag mit sozialpädagogischer Unterstützung eigenständig und eigenverantwortlich zu gestalten und Lebensperspektiven zu entwickeln.

Der Arbeitsalltag im Haus ist sehr familiennah. Die Betreuer bereiten das Frühstück, für das Mittag- und Abendessen sorgen die Hauswirtschaftskräfte. „Die Jugendlichen binden sich dabei gerne ein. Sie kochen oder grillen oft gemeinsam“, erzählt Alexander Fiedler. Tagsüber besuchen die jungen Männer die Integrationsklassen, um Deutsch zu lernen und sich auf die Sprachtests vorzubereiten, um die nötigen Zertifikate zu schaffen. Zwei Bewohner sind in Ausbildung, einer in einer Autolackiererei und einer im Karolinger Hof, um Gastronomiefachmann zu werden. Ein weiterer Bewohner besucht die Hauptschule und einer macht sein Fachabitur. Die Hausaufgaben werden selbstständig erledigt, die Betreuer stehen für Rückfragen zur Verfügung. Sie besuchen auch die Elternabende, führen mit den Lehrern Gespräche wenn Nachhilfe erforderlich ist. So geschieht die schulische und berufliche Förderung durch das Team immer in enger Zusammenarbeit mit den Lehrkräften an Schulen sowie den Anbietern von Ausbildungs- und Praktikumsplätzen. Die Freizeit verbringen die Bewohner mit Fußball, Tischtennis, im Fitnessraum, am Computer oder in der Stadt mit Freunden. Auch die Betreuer bieten Freizeitangebote an.

Caritasverband beginnt mit interkultureller Wohngruppe

Mit dem Auszug der volljährig gewordenen Bewohner beginnt ein neuer Abschnitt im Heimstättenweg 102. Nun können hier 12- bis 18-jährige Kinder und Jugendliche einen neuen Lebensort finden, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Elternhaus verlassen mussten. „Kinder und Jugendliche benötigen für ihre Entwicklung ein gutes Zuhause, in dem sie sich geborgen fühlen und Schutz genießen. Wenn in Familien zu viele Konflikte sind kann es nötig sein, dass die Jugendlichen eine Auszeit aus der Familie brauchen. Auch Kinder, die zum Beispiel bei Alkoholabhängigkeit oder psychischer Erkrankung der Eltern in zu belasteten Situationen aufwachsen, benötigen eine gewisse Zeit eine Alternative zum eigenen Zuhause“, so Caritasdirektor Ansgar Funcke.
Eine zweite Wohngruppe für ca. zehn Personen wird derzeit in Mörlenbach geplant.

Mit den Jugendämtern der Umgebung werden nun Gespräche geführt, wie die Jugendwohngruppe für geflüchtete Jugendliche nun in eine interkulturelle Wohngruppe für hier sozialisierte Jugendliche und geflüchtete Jugendliche erweitert werden kann.

Uns ist es wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen im Weihbischof-Guballa-Haus verlässliche Alltagsstrukturen, vertrauensvolle Beziehungen und Lebensbedingungen finden, die Mut machen, Perspektiven eröffnen und das Selbstvertrauen stärken“, so Dienststellenleiter Horst Miltenberger. „Das Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ein positives Lebens- und Selbstwertgefühl entwickeln und sich emotional stabilisieren.“ Im Betreuten Wohnen können Jugendliche, junge Erwachsene und minderjährige unbegleitete Geflüchtete, die nicht in ihren Ursprungsfamilien leben können und die Unterstützung bei der Verselbstständigung benötigen weiter begleitet werden. Möblierte Einzelappartements oder kleine Wohngemeinschaften mit bis zu drei Plätzen stehen an unterschiedlichen Standorten im erweiterten Stadtgebiet zur Verfügung.

Kontakt:
Weihbischof-Guballa-Haus
Heimstättenweg 102
64295 Darmstadt
Telefon: 06151 – 39 19 19 0
E-Mail: guballa-haus@caritas-darmstadt.de

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