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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Traum(a) Asyl

Die Klinik Schloß Falkenhof ist eine Fachklinik für Männer mit Abhängigkeitserkrankungen. Patienten mit Alkohol-, Tabletten oder Drogenabhängigkeit machen sich in der Klinik auf, neue Wege in ihrem Leben zu gehen.

Das Alter der Hilfesuchenden ist dabei mit  18- bis über 80jährige Klienten ebenso unterschiedlich wie die Sozialniveaus, die sich von Managern bis hin zu Obdachlosen erstrecken. In den letzten Jahren ist eine zunehmende kulturelle und religiöse Vielfalt an Klienten aus unterschiedlichen Herkunftsländern zu verzeichnen, denn neben Deutschen haben viele Klienten  einen polnischen Migrationshintergrund, aber auch z.B. afghanische, persische oder iranische Patienten suchen in der Klinik Hilfe.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die heterogene Klientengruppe eine spannende Herausforderung, denn für das Team ist es wichtig, jeden Einzelnen individuell abzuholen. Das ist insbesondere bei den verschiedenen kulturellen Herkünften nicht immer so leicht.
Ehemalige Asylbewerber, die schweren Belastungssituationen und Traumatisierungen ausgesetzt waren, stehen ohnehin unter hohen psychosozialen Belastungen, wenn sie dann auch noch vor der Abschiebung stehen, begünstigt dies das Auftreten von psychischen und depressiven Störungen aber auch von Alkoholabhängigkeit, so Prof. Dr. med. Eckhardt Koch, der beim Fachtag für Beratungsstellen, Sozialdienste und Ärzte in der Klinik rund 30 SozialpädagogInnen, ÄrztInnen, Krankenschwestern, FamilientherapeutInnen und PsychologInnen aus weiten Teilen Hessens das Thema "Traum(a) Asyl" vorstellte.

Der Arzt für Psychiatrie und Neurologie ist leitender Arzt für interkulturelle Psychiatrie, Migrations- und Ethikbeauftragter des Vitos Klinikums Gießen-Marburg und Professor am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps Universität Marburg.

Er thematisierte aus medizinischer und kulturwissenschaftlicher Pespektive die psychischen Auswirkungen der Traumatisierung von Asylsuchenden durch die "Aufnahmegesellschaft", d.h. die Gesellschaften, in die Asylsuchende einwandern. Beispielsweise förderten rechtliche Einschränkungen wie z.B. Arbeitsverbot, Residenzpflicht oder ein eingeschränkter Zugang zu Gesundheitsleistungen ebenso wie das Fehlen von Integrationsangeboten das Auftreten psychischer Störungen. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stärke hingegen die individuellen Ressourcen der Asylsuchenden und könne vor einer Erkrankung schützen. Vielleicht könne auch im Falkenhof über eine Theatergruppe Teilhabe vermittelt werden und das Selbstbewusstsein gestärkt werden, so seine Anregung.
Mit jedem Einzelnen einen wertschätzenden Umgang zu pflegen, die Stationsatmosphäre stärken, bei Sprachproblemen Dolmetscher hinzuziehen, Hoffnung ausdrücken und Pläne entwicklen, dass die Betroffenen überhaupt den Weg zum Hilfesystem finden seien auch für Suchtkliniken große zukünftige Herausforderungen.

Kontakt:
Klinik Schloß Falkenhof
Tel.: 06251-1020
www.klinik-falkenhof.de

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