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Stand: 23.05.2019

Pressemitteilung

Sprache öffnet Türen – Caritasverband sucht ehrenamtlich engagierte Menschen

Jede Woche trifft sich die ehrenamtliche Sprachpatin Hildegard Krassowski in Darmstadt im Caritasbüro mit ihren beiden Sprachschülerinnen, um Hausaufgaben zu machen, Vokabeln und Grammatik zu lernen, viel zu reden und zu üben. In ihren sechs Jahren als Sprachpatin hat sie bisher neun Frauen begleitet. Manche eineinhalb Jahre, manche etwas kürzer. Die Frauen kamen aus Ghana, Spanien, Ecuador, der Elfenbeinküste, Marokko oder Syrien. Auch zwei Familien aus Syrien wurden von ihr fast 2 Jahre lang betreut, woraus sich mit der Zeit eine freundschaftliche Beziehung entwickelte.

„Bei den unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen der Frauen ist jede Sprachpatenschaft eine neue Herausforderung“, erzählt die Rentnerin, die mit viel Herzblut, Engagement und guter Laune bei ihrem Ehrenamt dabei ist. „Jede der Frauen hat eine eigene Geschichte. Sie haben alle viel erlebt und ihre Situation in Deutschland ist für alle schwierig. „Oft gibt es Probleme wegen des Bleiberechtes, Beziehungen sind in die Brüche gegangen, ältere Kinder leben noch im Heimatland“, so die Sprachpatin. Beeindruckend sei, dass die Frauen die Hoffnung trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben und neue Perspektiven suchen.

Die Begegnungen mit den Frauen seien immer sehr berührend, so die ehemalige Berufsschullehrerin. Besonders bewegt habe sie die Geschichte einer über 40-Jährigen Kursbesucherin aus Ghana, die im Heimatland nie eine Schule besucht und erst in Deutschland lesen und schreiben gelernt hatte. Durch den Kurs und die Sprachpatenschaft habe sie nicht nur die deutsche Sprache gelernt, sondern auch Selbstvertrauen.

Vor ihrer Zeit als Sprachpatin hatte Hildegard Krassowski mit Beginn ihres Rentenalters zunächst Grundschülerinnen in einer Lese AG unterstützt und anschließend sechs Jahre in der Hausaufgabenhilfe des Caritasverbandes gearbeitet, auch dies stets ehrenamtlich. Zwei Jahre arbeitete die engagierte Frau als Hausaufgabenhelferin und Sprachpatin gleichzeitig. Doch nun gilt ihr ganzes Engagement den Erwachsenen, die Unterstützungsbedarf haben. „Die Freundlichkeit, die mir die Frauen entgegenbringen, ist sehr berührend. Ich bekomme so viel von ihnen an Herzlichkeit zurück, das tut mir gut. Die Arbeit macht mir viel Spaß und die Zeit empfinde ich als sehr bereichernd.“ Daher möchte sie dieses ehrenamtliche Engagement so lange wie möglich fortführen.
Die neuen Beziehungen, die unterschiedlichen Schicksale, all dies sei für sie sehr bereichernd. Manche Frauen seien sehr unsicher, da müsse neben dem Lernen auch Aufbauarbeit betrieben werden. Wichtig für sie sei daher der enge Kontakt mit der Caritasmitarbeiterin Nara Faul, die sie gut begleitet und die sich so manchem Problem, das so zu Tage komme, annehme. Doch anders als in ihrer Zeit als Hausaufgabenhelferin, in welcher sie sich mit anderen Ehrenamtlichen regelmäßig austauschen konnte, fehlt ihr dieser Austausch als Sprachpatin. Denn zurzeit gibt es nur zwei Sprachpatinnen, die dem Frauenintegrationskurs zur Verfügung stehen, der Bedarf ist aber höher.

Schülerin Doris ist sehr dankbar, dass sie mit der Sprachpatin die Hausaufgaben besprechen kann und das Sprechen der deutschen Sprache üben kann. Sie habe dadurch viel gelernt, berichtet die junge Frau aus Ghana stolz.

Auch nach Beendigung des Integrationskurses sucht der Caritasverband ehrenamtlich engagierte Menschen für Klientinnen und Klienten des Migrationsdienstes. „Menschen, die andere bei wichtigen Terminen begleiten oder Anträge mit ihnen gemeinsam ausfüllen wären eine große Hilfe“, so Caritasmitarbeiterin Nara Faul.

Kontakt

Frau Nara Faul
Wilhelm-Glässing-Staße 15–17
64283 Darmstadt
Telefon: 01 51 – 10 84 32 14
E-Mail: n.faul@caritas-darmstadt.de

Info zur neuen Caritas Jahreskampagne „Sei gut, Mensch!“

„Sei gut, Mensch!“, - so lautet die neue Jahreskampagne der Caritas. Ein Jahresmotto, das in Zeiten von Hate Speech und sprachlicher Verrohung aufmerken lässt. Vier Jahre ist es her, dass dieses Wort zum Unwort des Jahres erklärt wurde. Begründet hat das die Jury damals damit, dass „Gutmensch“ ein Schimpfwort sei, mit dem gerade hilfsbereite und tolerante Menschen als dumm, naiv und weltfremd dargestellt werden. Bis heute gehen die Diffamierungen weiter. Die Verunglimpfungen in den sozialen Netzwerken als Gutmensch verbunden mit dem Vorwurf einer Weltfremdheit oder die Tatsache sich für gesellschaftliches Engagement rechtfertigen zu müssen, machen Engagement mitunter schwieriger oder schrecken Menschen ganz ab. Dagegen geht die Caritas jetzt offensiv vor. Es geht darum, den Begriff des guten Menschen nicht den Populisten zu überlassen. Was gut ist, das sollen nicht mehr die definieren, die die Helfer niedermachen – nur, weil ihnen ihre politische Haltung nicht passt.

Beim Caritasverband Darmstadt arbeiten 1.486 Menschen hauptamtlich. Sie engagieren sich für die unterschiedlichsten Menschen, die in Not sind und Hilfe benötigen. Rund 400 Frauen und Männer helfen ehrenamtlich in vielen unserer Einrichtungen und Dienststellen, weitere 400 engagieren sich im Flüchtlingskreis und über tausend sind in der Gemeindecaritas aktiv. „Die Zuwendung zum Nächsten verdient Bewunderung. Sie ist ein großartiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und Miteinander. Unsere Gesellschaft braucht die guten und hilfsbereiten Menschen unbedingt, sie sind unverzichtbar“, so Caritasdirektorin Stefanie Rhein.

Die Caritas hofft, dass durch die Kampagne ehren- und hauptamtliche Helferinnen und Helfer endlich so wertgeschätzt werden, wie sie es verdienen, dass ein neues Bewusstsein für die Bedeutung des Ehrenamtes geschaffen wird und dass gutes Handeln in Deutschland nicht mehr schlechtgemacht wird. Caritas-Präsident Peter Neher sagte bei der Vorstellung der neuen Kampagne „Es wäre schon viel erreicht, wenn gute Menschen nicht mehr pauschal beleidigt werden.“

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