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Stand: 23.05.2019

Vortragsreihe

Schlaf, Schlafmangel und eine rast- und taktlose Gesellschaft

Freuen Sie sich mit uns auf vier hochkarätige Vorträge:

Vortragsreihe Schlaf, Schlafmangel und rast- und taktlose Gesellschaft

Der Mensch schläft weniger: Vor rund hundert Jahren verbrachten die Menschen in den Industriestaaten durchschnittlich neun Stunden im Bett, in den siebziger Jahren waren es nur noch acht Stunden. Seither ist die Schlafzeit erneut um eine halbe Stunde gesunken.
Die Menschen versuchen immer mehr, Zeit und Dauer des Schlafs zu kontrollieren und ihren Bedürfnissen anzupassen. Das Dogma der ständigen und jederzeitigen Erreichbarkeit leistet dem weiteren Vorschub. Sie wollen schlafen oder wach sein, wenn es ihnen gerade passt - und schlucken Schlaf- und Aufputschmittel. Doch die Psyche reagiert sehr schnell auf Schlafentzug: Motivation und Lebensfreude schwinden, Menschen reagieren genervt und gereizt, andere Menschen entwickeln Herz-Kreislauf oder psychische Erkrankungen.
Was macht die rast- und taktlose Gesellschaft mit uns und unserer Gesundheit?
Was sollten wir wissen um anders zu handeln?
Welche persönlichen Strategien hierzu sind sinnvoll?

Mittwoch, 18. Januar 2017, 19:00 Uhr, Justus-Liebig-Haus Darmstadt
Dr. med. Tanja Lange, Klinik für Rheumatologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
„Schlaf macht schlau und hält uns gesund“

Warum müssen wir schlafen? Die wohl wichtigste Funktion des Schlafes liegt darin neue Informationen zu verarbeiten und Gedächtnis zu bilden. Im Tiefschlaf wird neu Gelerntes in den Langzeitspeier überführt und in bestehendes Wissen integriert. Dabei werden Gesetzmäßigkeiten, Muster und Regeln erkannt und es können sogar Probleme gelöst werden. Da wir nur das Wichtigste behalten, wird unser Kopf im Schlaf wieder frei für neue Eindrücke am nächsten Tag. Aber auch das Immunsystem profitiert vom Schlaf, denn der Schlaf sorgt für eine effiziente Immunabwehr am nächsten Tag. Hat uns doch ein Infekt erwischt, werden wir müde und schlafen, vermutlich damit im Schlaf die erforderlichen Abwehrprozesse und die immunologische Gedächtnisbildung gegen die Krankheitserreger unterstützt werden können. Unser Immunsystem reagiert jedoch nicht nur auf Bakterien und Viren, sondern auch auf unseren Lebensstil. Stress, ungesunde Ernährung, Rauchen und mangelnde Bewegung können eine systemische Entzündungsreaktion hervorrufen, die zur Entwicklung vieler Erkrankungen, wie z.B. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Depression beitragen kann. Dieser systemischen Entzündungsreaktion scheint Schlaf entgegen zu wirken. Insgesamt macht guter Schlaf also schlau und hält uns gesund.

Mittwoch, 22. Februar 2017, 19:00 Uhr, Justus-Liebig-Haus Darmstadt
Prof. Dr. Till Roenneberg, Leiter des Forschungsteam Chronobiologie am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München
„Ist Schlaf Zeitverschwendung?“

In unserer modernen Industriegesellschaft hat Schlaf den Ruf des Unnützen. Viele brüsten sich mit den wenigen Stunden, die sie in diesem "unproduktiven” Zustand verbringen. Schlaf wird zutiefst unterschätzt und ist - wie so vieles - ein Opfer des Zeitgeists. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, wie mit so vielen gesellschaftlichen Irrmeinungen. Wir sollte die richtigen Fragen stellen, um diesen grundlegenden Zustand unserer Existenz begreifen zu können. Diese Auseinandersetzung wird uns zu einer erfrischenden Erkenntnis führen: Schlaf macht das Wachsein erst möglich.

Donnerstag, 09. März 2017, 19:00 Uhr, Justus-Liebig-Haus Darmstadt
PD Dr. phil. Stefan Schmidt, Dipl.-Psych., Sektion komplementärmedizinische Evaluationsforschung am Universitätsklinikum Freiburg

„Warum haben alle Stress? Wie uns unsere Kultur überfordert und was wir dagegen tun können“
Unsere postmoderne Lebenswirklichkeit ist geprägt von Funktionalisierung, Rationalisierung, Überangeboten in allen Lebensbereichen, sozialer Beschleunigung und Individualisierungsdruck. Für diese Bedingungen sind die Menschen und ihr Stresssystem nicht gemacht. Folglich können immer mehr Menschen nicht mehr mit dem hohen Tempo und den Anforderungen mithalten und werden (psychisch) krank; diejenigen die mithalten können sind im Dauerstress und fühlen sich überfordert.
In seinem Vortrag analysiert Stefan Schmidt die Rahmenbedingungen dieser  Entwicklung und zeigt auf, dass mit diesen Anforderungen nur erfolgreich umgegangen werden kann, wenn zum einen unsere momentane gesellschaftliche Entwicklung kritisch reflektiert wird und auf der anderen Seite auf der individuellen Ebene Qualitäten entwickelt und befördert werden, die  eine Abgrenzung und innere Stärkung befördern. Dies sind zum Beispiel Gelassenheit, Muße, Achtsamkeit und ein kollektiveres Selbstverhältnis, die eine innerer Transformation und Wachstum befördern können.

Freitag, 21. April 2017, 19:00 Uhr, Justus-Liebig-Haus Darmstadt
PD Dr. Ursula Voss, Institut für Psychologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
„Trauma und Schlaf“

Schlaf macht gesund, Stress macht krank. Diesen beiden Binsenweisheiten liegt sehr viel Wahres zugrunde. Tatsächlich trägt Schlaf dazu bei, dass wir Stress besser bewältigen können, dass wir "stress-resistenter" werden. Vorausgesetzt, dass wir Schlaf finden können. Oftmals ist es jedoch so, dass Menschen, die unter Stress leiden, Schwierigkeiten haben, Schlaf zu finden, so dass sich psychisches Leid sowie gesundheitliche Einbußen weiter verstärken. Weiter erschwert wird die Fähigkeit, durch Schlaf Erholung zu erfahren, nach Extrembelastungen bzw. Erfahrungen, die als traumatisch eingestuft werden, z.B. Krieg oder sexuelle Übergriffe. Eine besondere Bedeutung kommt diesbezüglich dem Traumschlaf zu, der besonders eindrücklich im sogenannten REM Schlaf stattfindet, der von Bizarrheit und Bildhaftigkeit der Trauminhalte geprägt ist. Der REM Traum ist der Dimension Zeit beraubt, Erinnerungen werden miteinander in unvorhersehbarer Weise verknüpft, teilweise stark entstellt und verändert. Eine wichtige Funktion des  REM Traumschlafs ist die der emotionalen Regeneration, der Wiederherstellung psychischer Widerstandskraft. Ungestörter REM Schlaf ist also ein wichtiger Baustein in der Therapie von psychischen Belastungsstörungen und, im Extremfall, von Trauma. Typischerweise ist jedoch bei dieser Störungsgruppe insbesondere der REM Schlaf gestört. Patienten haben Albträume und/oder fürchten diese und versuchen - meist unbewusst - das Auftreten längerer REM Phasen zu verhindern. In Folge liegen sie oft stundenlang wach und sind am nächsten Tag unausgeschlafen und den quälenden Erinnerungen und Gedanken noch stärker ausgeliefert als zuvor. Therapeutisch hat sich in diesen Fällen eine Technik bewährt, die es den Betroffenen erlaubt, bewusst zu träumen und sich dem Unwillkürlichen des REM Schlafs durch sogenannte Klarträume zu entziehen. Im Klartraum befindet sich der Träumer im REM Schlaf, er kann jedoch den Traum als Traum wahrnehmen und die Traumhandlung nach Belieben steuern. Diese Art des Träumens ermöglicht Betroffenen, ihre Angst vor dem Traumschlaf zu verlieren und sich langsam dem erholsamen, natürlichen, heilsamen Schlaf wieder hinzugeben.

Ort, Raum und Zeit
Justus-Liebig-Haus Darmstadt

Eintrittspreise:
10,- Euro pro Person (Vorverkauf und Abendkasse)
8,- Euro für Echo-Abonnentinnen (nur Vorverkauf)
5,- Euro (50% Ermäßigung) für Berechtigte der Darmstädter Teilhabecard (Teilhabecard muss mitgeführt werden).

4er-Karte für alle Veranstaltungen:
29,- Euro (Echo-Abonnenten, nur Vorverkauf)
35,- Euro (Nicht-Abonnenten, nur Vorverkauf)

Sie erwartet außerdem ein freundliches Catering und ein spannender Büchertisch.

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Veranstaltungsreihe Schlaf, Schlafmangel und eine rast- und taktlose Gesellschaft

Plakat der Veranstaltungsreihe Schlaf, Schlafmangel, rast- und taktlose Gesellschaft mit den Themen: „Schlaf macht schlau und hält uns gesund“, „Ist Schlaf Zeitverschwendung?“, „Warum haben alle Stress? Wie uns unsere Kultur überfordert und was wir dagegen tun können“, und „Trauma und Schlaf“

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