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Stand: 12.06.2017

Pressemitteilung

Auf schwierigen Wegen braucht man starke Unterstützung

Der Bezirk des Caritasverbandes Darmstadt e. V  umfasst die Stadt und den Landkreis Darmstadt, den Landkreis Dieburg, den Kreis Bergstraße und den Odenwaldkreis. In Darmstadt informierten der Vorstandsvorsitzende Franz-Josef Kiefer und sein Vorstandskollege Ansgar Funcke anlässlich der Vorstellung des Jahresberichtes 2015 über die Arbeit des Caritasverbandes. Die beiden bilden gemeinsam mit dem Verwaltungsleiter Heiner Klas die Geschäftsführung. Dieses Trio wurde nun zum 1. März durch die Diplom Sozialpädagogin Stefanie Weber verstärkt, welche Leitung und Verantwortung in ausgewählten Geschäftsfeldern übernimmt.

Vor dieser neuen Herausforderung war die 43 jährige gebürtige Lorscherin bereits zehn Jahre im Verband tätig und hat sich mit viel Herz und Engagement in die  Gemeinwesenarbeit und Gemeindepsychiatrie eingebracht. Diese Erfahrungen bringt die neue Geschäftsführerin auch in die neuen Konzeptionen für die Flüchtlingsarbeit ein, denn der Caritasverband Darmstadt hat das große Ziel, mit neuen Konzepten die psychosoziale Versorgung von geflüchteten Menschen zu verbessern.

"In Darmstadt leben ca. 1.700 zugewiesene Flüchtlinge, die Tendenz ist steigend. Es ist davon auszugehen, dass 30 bis 50 Prozent der geflüchteten Menschen als psychisch belastet eingestuft werden müssen. Sie haben in ihrem Heimatland oder während der Flucht Gewalt erfahren. Langzeitstudien belegen, dass traumatisierte Menschen oft langfristig Unterstützung bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erfahrungen benötigen", so Stefanie Weber. "Das reguläre Gesundheitssystem ist Flüchtlingen in Deutschland nur stark eingeschränkt zugänglich. Psychosoziale Versorgung für Flüchtlinge bieten fast ausschließlich die außerhalb des gesundheitlichen Regelsystems arbeitenden Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer an. Das nächste Psychosoziale Zentrum befindet sich in Frankfurt. Dessen Kapazitäten sind zum einen begrenzt und zum anderen werden nur in wenigen Ausnahmen Flüchtlinge, die außerhalb Frankfurts zugeteilt wurden, zur Beratung zugelassen. So sehen sich Hauptamtliche und Ehrenamtliche in der Situation, ohne fachliche Unterstützung mit traumatisierten Menschen arbeiten zu müssen", ergänzt Caritasdirektor Franz-Josef Kiefer, der schon vierzig Jahre für den Verband tätig ist. Der Caritasverband Darmstadt möchte die Beratung von Asylsuchenden, Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Migrantinnen und Migranten verbessern, da das breite Angebot des Verbandes zur psychosozialen Versorgung von Menschen in verschiedenen Lebenslagen auch Flüchtlingen zur Verfügung stehen soll. Eine zunächst auf zwei Jahre befristete Fachkraft der Sozialarbeit/Sozialpädagogik soll mit einem Stellenanteil von 100 % Haupt- und Ehrenamtliche fachlich beraten, begleiten, unterstützen, schulen und informieren sowie die Vernetzung fördern mit allen Institutionen, Diensten, Vereinen und Organisationen, die zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen beitragen können.

Das Büro der Koordinierungsstelle wird sich in den Räumen des Caritasverbandes in der Heinrichstraße 32 a in Darmstadt befinden. Der Wirkungskreis erstreckt sich auf das gesamte Stadtgebiet. Die Kosten werden je zur Hälfte durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt und den Caritasverband Darmstadt e. V. getragen. Die Koordinationsstelle ist in den Prozess der Interkulturellen Öffnung des Caritasverbandes Darmstadt  eingebunden.

Darüber hinaus macht sich der Caritasverband Darmstadt derzeit Gedanken über ein mögliches "Trauma-Zentrum". "Wir sehen dies als eine notwendige Ergänzung der vorhandenen Beratungsangebote für Flüchtlinge, um auf die tiefergehenden Probleme, die durch Traumafolgestörungen hervorgerufen werden, adäquat zu reagieren", erläutert Caritasdirektor Ansgar Funcke die Pläne. Das Zentrum soll Flüchtlingen helfen, die durch Traumatisierungen oder psychische Störungen sehr schutz-und hilfebedürftig sind. Besonders im Blick sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die sich sowohl in spezifischen Problemlagen befinden als auch über besondere Potenziale verfügen.

Ein neues Hilfeangebot wird auch im früheren Konventhaus des Deutschen Ordens im Heimstättenweg aufgebaut. Dort hat der Verband eine Betreuungsstätte für Jugendliche errichtet, die im Juli eröffnet werden soll. "Das prinzipielle Nutzungskonzept sieht vor, zehn bis 14 Kinder und Jugendliche, die aus verschiedensten Gründen zeitweise  oder gar nicht mehr in ihrer Familie leben können, unterzubringen", erläutert Ansgar Funcke das Konzept. Aufgrund der aktuellen Lage hat die Stadt die Caritas angefragt,  unbegleitete männliche jugendliche Flüchtlinge zu betreuen, da diese nach geltendem Jugendrecht versorgt werden müssen. Daher werden die ersten Bewohner jugendliche Flüchtlinge sein, die ohne Eltern oder erwachsene Begleiter hier sind.  Sollte es in ein paar Jahren weniger Flüchtlinge geben, soll das Haus der breiten Zielgruppe der Jugendhilfe zugeführt werden.

Bei allen neuen Herausforderungen durch die Flüchtlingsarbeit setzen sich die Mitarbeitenden des Verbandes weiterhin engagiert  in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern für Menschen ein, die Hilfe benötigen. Rund 500 Rat- und Hilfesuchende suchten 2015 die Darmstädter und Griesheimer Caritaszentren auf, ebenso viele Menschen versorgt der Krisendienst Südhessen, der Menschen in psychischen Krisen eine verbesserte ambulante Behandlung als Alternative zu einem stationären Aufenthalt anbietet. Über 800 Betroffene, Angehörige und Betreuer kontaktierten das Suchthilfezentrum Darmstadt und rund 2.000 Menschen mit unterschiedlichen Problemen haben im vergangenen Jahr die Allgemeine Lebensberatung aufgesucht. Der 1922 gegründete Caritasverband hatte von 1962 bis 1992 seinen Sitz in der Wilhelm-Glässing-Str. 15. Eben an diese Adresse ist die Allgemeine Lebensberatung zum Ende des Jahres 2015 umgezogen. Ziel ist es, an diesem neuen Standort ein Caritaszentrum St. Ludwig aufzubauen, welches durch die Hilfeangebote der Suchtberatung und des Migrationsdienstes ergänzt wird, so dass die Hilfen unter einem Dach gebündelt werden. Durch diese Vernetzung sollen weite Wege vermieden werden, wenn mehrere Probleme das Leben gleichzeitig belasten.  

Auch von der Eröffnung einer neuen Frühberatungsstelle in Reinheim sollen Eltern und Kinder von kürzeren Anfahrtswegen profitieren. "Nach dem erfolgreichen Konzept von Darmstadt und Dieburg wurde im Februar 2016 die Einrichtung in Reinheim eröffnet, um Familien und Kindern bis zum Kindergartenalter, die behindert, von Behinderung bedroht oder entwicklungsverzögert sind, zu helfen. "Es ist wichtig, dass die Förderung den Kindern so früh wie möglich zugute kommt, lange Anfahrtswege sind dabei ein großes Hindernis, daher soll zum Ende des Jahres noch eine weitere Frühförderstelle in Pfungstadt eröffnet werden. Die großen Fortschritte der rund 500 begleiteten Kinder in Darmstadt und Dieburg sprechen für das gute Konzept des Verbandes", so Kiefer. Die Neueröffnung der Stelle in Reinheim sei auch ganz im Sinne der Caritas-Kampagne 2015 "Stadt-Land-Zukunft", mit der der Deutsche Caritasverband die Herausforderungen aufgegriffen hatte, die sich aufgrund der demografischen Entwicklung für die ländlichen Räume und damit oft auch für die Städte ergeben.

Einen Ausbau der Hilfeangebote gebe es auch im Bereich der Gemeindepsychiatrie, da in Weiterstadt ein neues Gemeindepsychiatrisches Zentrum mit Tagesstätte, Beratung und Betreutem Wohnen angeboten werden soll. "Im Weiterstädter Bahnhof möchten wir für psychisch kranke Menschen aus Weiterstadt und Umgebung eine Tagesstätte anbieten, gleichzeitig soll die ehemalige Gaststätte Music Station weiter betrieben werden", erläutert Kiefer das neue innovative Angebot. Der Verein Kulturbahnhof Weiterstadt wird in Abstimmung mit dem Caritasverband Darmstadt die Kultureinrichtung verantworten. Auch Menschen mit Suchtmittelproblematiken sollen künftig in Weiterstadt eine neue therapeutische Anlaufstelle erhalten.

"Neu für Menschen mit Suchtproblemen ist auch das Lotsennetzwerk Rhein-Main, welches nun mit dem Klinikum Darmstadt eine Kooperation eingegangen ist", berichtet Caritasdirektor Funcke. Im März 2015 startete das Lotsenprojekt, welches innerhalb von drei Jahren ein Netzwerk aufbauen möchte, das Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen oder riskantem Konsum den Kontakt zu Hilfeangeboten - wie  Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder therapeutische Maßnahmen - erleichtern soll. "Oftmals stehen Ängste, nicht verstanden oder abgestempelt zu werden, oder auch fehlendes Wissen ersten Schritten Richtung Gesundung im Weg. Zur Überbrückung dieser Hürden wurden bisher 13 Lotsen und vier Lotsinnen geschult, die eine zeitlich begrenzte individuelle Unterstützung anbieten. Alle 17 Personen gehören der Selbsthilfe an und verfügen dementsprechend über eigene Erfahrungen mit Suchterkrankungen", so Funcke.

Der erste Kontakt zur Zielgruppe erfolge in Krankenhäusern, die sich mit Einwilligung der Patienten an die Koordinationsstelle im Suchthilfezentrum wenden. Von dort aus werde eine passende Lotsin bzw. ein passender Lotse vermittelt. "Das Klinikum Darmstadt hat sich als erstes Krankenhaus zu einer solchen Kooperation bereit erklärt. Im März kam es erstmals zu einer Vermittlung ins Lotsennetzwerk durch das Krankenhaus."

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